Die Polizei hat am Donnerstagmittag das Haus mit dem linken Kiezladen Friedel54 geräumt. Die Einsatzkräfte setzten Kettensägen ein, um durch aufgebaute Barrikaden im Inneren des Gebäudes zu kommen. Fünf Menschen wurden aus dem Haus gebracht - unter lautstarken Protesten von Demonstranten.

Rund 150 Menschen, die die Straße vor dem Neuköllner Haus blockierten, wurden am Donnerstagmorgen weggedrängt und weggetragen. Dabei kam es auch zu Rangeleien und Handgreiflichkeiten zwischen Blockierern und Polizisten. Ein Anwalt der Bewohner bezeichnete den Polizeieinsatz als nicht verhältnismäßig. Es habe Gewalt und Verletzte gegeben.

Die Stimmung war angespannt, es gab Sprechchöre und laute Proteste. Über dem Kiezladen standen Bewohner des Hauses auf den Balkonen. „Wir bleiben alle“ hatten sie auf Transparente geschrieben. Am Vormittag befanden sich noch Demonstranten in dem Haus Nummer 54. Per Lautsprecher verkündete die Polizei, dass Wände im Gebäude eingerissen werden sollten, um die Menschen herauszuholen.

Polizisten positionieren sich auch auf Dächern

Die Einsatzkräfte, die mit Helm und Schutzausrüstung agieren, gingen auch in benachbarte Häuser und positionierten sich auf umliegenden Dächern. Über das Nachbarhaus und den Hinterhof drangen die Polizisten schließlich ins das Haus Nummer 54 ein. Dabei gerieten sie in Lebensgefahr: Ein Türknauf war unter Strom gesetzt worden, wie die Beamten via Twitter mitteilten. „Zum Glück haben wir das vorher geprüft“, schrieb die Polizei. Der Strom im Haus sei abgestellt worden, sagte ein Sprecher.

In den frühen Morgenstunden war die Friedelstraße abgesperrt worden. 100 bis 200 Demonstranten hatten sich aber bereits am Vorabend und in den Nacht vor dem Kiezladen versammelt. Sie weigerten sich, den Bereich zu verlassen, obwohl die Polizei sie mehrfach dazu aufforderte. Bei ihrer Räumung habe es einzelne vorläufige Festnahmen gegeben, sagte eine Sprecherin. Die Polizei habe insgesamt 500 Leute im Einsatz.

Räumung bereits seit längerem angekündigt

Zuletzt hatten am Samstag einige hundert Demonstranten gegen das Ende des Ladens protestiert. Die Räumung durch einen Gerichtsvollzieher ist seit längerem angekündigt. Der Laden wird von linken Gruppen für Versammlungen, Diskussionen, Filmvorführungen und zum Feiern genutzt. Dem Kiezladen war der Gewerbemietvertrag gekündigt worden.

In einem Vergleich mit der Eigentümerin des Hauses hatte sich der Trägerverein des Kiezladens im Oktober 2016 vor Gericht verpflichtet, zum 1. April 2017 auszuziehen. Da der Verein die Räume nicht freiwillig verließ, will die Besitzerin nun die Rückgabe erzwingen. (BLZ/dpa)