Nach der Räumung des alternativen Ladens Friedel 54 in der vergangenen Woche in Neukölln wird jetzt gegen mindestens einen der eingesetzten Polizisten wegen Körperverletzung im Amt ermittelt. Das bestätigte die Berliner Polizei der Berliner Zeitung auf Nachfrage.

Zuvor war ein   Video aufgetaucht, auf dem eine Demonstrantin  von einem Beamten  misshandelt wird. Auf den Bildern  ist zu sehen, wie die zierliche Frau   von einem  deutlich größeren und schwereren Polizisten in voller Kampfmontur zu Boden geschlagen wird.  Dies geschieht offenbar völlig grundlos.  

Beamte lösen Sitzblockade auf

Rückblick: In der Nacht zum Donnerstag in der vergangenen Woche marschiert die Polizei gegen 0.30 Uhr in der Friedelstraße auf. Der Auftrag für die Einsatzkräfte: Die von Linken und Autonomen blockierte Straße sowie den Hauseingang der Nummer 54 für den Gerichtsvollzieher freiräumen. Der ist für neun Uhr morgens bestellt. Er soll einen seit Jahren erbittert geführten Streit zwischen den Betreibern des Kiezladens auf der einen und den Hauseigentümern auf der anderen Seite beenden, indem er einen Räumungsbeschluss durchsetzt. 

Gegen elf Uhr am Vormittag beginnen die Beamten, eine Sitzblockade direkt vor dem Hauseingang aufzulösen. Unter lautstarkem, aber weitegehend friedlichem Protest ziehen und zerren die Einsatzkräfte an den sitzenden Menschen. Auch eine junge Frau in einem blauen Oberteil, die weder vermummt noch  körperlich  aggressiv ist,  wird laut schimpfend weggetragen. 

Dann passiert es: Auf dem Video, das dieser Zeitung vorliegt, ist zwar nicht zu hören, was die Frau den Beamten an den Kopf wirft. Doch einer der Männer wird plötzlich wütend. Nachdem er kurz stehenbleibt und eine knappe Sekunde gar nichts passiert, holt der Polizist aus und schlägt der wehrlosen und körperlich deutlich unterlegenen  Frau kräftig und gezielt ins Gesicht. Daraufhin  geht sie  benommen zu Boden, kurz darauf bricht das Video ab. 

Frau offensichtlich nicht aggressiv

Zwar haben solche Vorfälle oftmals eine Vorgeschichte, die nicht auf den Videos zu sehen ist. Eine Vorgeschichte, die die harsche Vorgehensweise der Beamten zumindest  teilweise erklärt – und manchmal sogar verständlich macht. Auch werden diese Vorgeschichten immer wieder und vor allem immer öfter in sozialen Medien bewusst verschwiegen, um Stimmung gegen Polizei und Sicherheitskräfte zu machen.

So kursierte erst vor wenigen Tagen ein Film-Schnipsel im Internet, auf dem angeblich rassistische Sicherheitskräfte einen  dunkelhäutigen Mann auf brutale Weise aus der S-Bahn zerren. Angeblich aufgrund seiner Hautfarbe. Dass der Mann  keinen Fahrschein hatte, nicht aussteigen wollte und sich schließlich an einer Haltestange festgekrallte,   übersah der Großteil der weltweiten Netzgemeinde einfach.

Doch im vorliegenden Fall ist das anders. Die von dem Polizisten niedergeschlagene Frau ist auf mehreren Fotos zu sehen, wie sie kurz vor dem Vorfall an der Sitzblockade teilnimmt. Sie ist nicht vermummt, nicht aus der autonomen Szene und nicht aggressiv. Als die Einsatzkräftze die Frau schließlich wegtragen, ist die Situation um sie herum zwar angespannt, aber nicht gefährlich, die Beamten werden nicht attackiert.

Strafermittlungsverfahren gegen Polizisten eingeleitet

Die Beamten werden nicht attackiert. Im Hintergrund ist ein zwar lautstarkes und etwas unübersichtliches, aber keineswegs bedrohliches Gewusel aus Polizisten, Pressevertretern und friedlichen Protestlern zu sehen. Alles deutet darauf hin, dass hier einem Polizisten ganz einfach die Sicherungen durchgebrannt sind. Warum, das weiß bislang nur der Beamte selbst.  

Die Polizei sagte am Freitag, dass  der betroffene Kollege namentlich bekannt sei. Nach einer ersten internen  Prüfung und Sichtung des Videomaterials habe man  entschieden, ein Strafermittlungsverfahren wegen  des Verdachts der Körperverletzung im Amt gegen den Mann einzuleiten.