Berlin - Der soziokulturelle Kiezladen Friedel 54 in Neukölln muss nach zwölf Jahren ausziehen. Bei einem Räumungsprozess vor dem Amtsgericht Neukölln schlug das Gericht am Donnerstag einen Vergleich vor, demzufolge der Laden bis zum 31. März 2017 geräumt werden muss. Geklagt hatte der neue luxemburgische Hauseigentümer.

Eine gewaltsame Räumung könnte damit vom Tisch sein - vorerst. Doch sowohl die Initiative, die den Laden "F54" als Anwohnertreffpunkt gegen Gentrifizierung betreibt, wie auch der Hauseigentümer können bis zum 3. November dem Vergleich widersprechen. Dann würde erneut ein Prozess stattfinden, sagte eine Gerichtssprecherin der Berliner Zeitung. In diesem Fall würde das Gericht am 24. November ein Urteil oder einen Beschluss verkünden.

Schon seit Langem kämpfen die Bewohner des Hauses gegen  Modernisierungen, Mietsteigerungen und somit die Verdrängung. Der Kiezladen fürchtet den "Verlust eines der letzten unkommerziellen und sozialen Räume im Neuköllner Reuterkiez", heißt es in einer Mitteilung.

Anhänger des F54 demonstrierten vor dem Gericht

Am Donnerstag demonstrierten 50 bis 60 Anhänger des Kiezladens vor dem Gericht für den Erhalt des alternativen Projektes. Neben der Kundgebung ist bereits die nächste Aktion der Kiezladen-Aktivisten geplant: Am 19. November soll eine Demonstration vom Herrfurthplatz aus quer durch Neukölln ziehen, um auf die drohende Räumung und Verdrängung generell aufmerksam zu machen.

Das Projekt "F54" ist nicht das einzige, das derzeit eine Räumung befürchten muss. Auch die Räumung des Kreuzberger Szenegeschäfts Gemischtwarenladen mit Revolutionsbedarf M99ist noch nicht vom Tisch, obwohl ein Gericht kürzlich einen Aufschub verordnet hatte.