Die Touristengruppe steht etwas verdutzt an der Friedrichsbrücke in Mitte. Auf der anderen Seite der Spree sehen sie den Berliner Dom und die vielen Museen, doch hinüber auf die Museumsinsel kommen sie nicht. Auch ein Blick in den Stadtplan hilft ihnen nicht ernsthaft weiter.

Denn die Friedrichsbrücke, die sonst ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer geöffnet hat, ist in dieser Woche gesperrt. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung saniert die Brücke, dabei wird sie auch verbreitert. In der Nacht vom heutigen Dienstag zu Mittwoch werden nun drei riesige Stahlträger neben der heutigen Brücke über der Spree montiert. Jeder ist 60 Meter lang, das schwerste Brückenteil allein wiegt 220 Tonnen.

Tanz unter den Kolonnaden

Wie Petra Rohland, Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, sagt, wird die Friedrichsbrücke wieder so wie ihr historischer Vorgängerbau von 1894 hergerichtet. Und dazu gehört auch, die Brücke von jetzt lediglich 12,5 auf künftig wieder 27 Meter zu verbreitern. Dadurch sollen die ursprünglichen Bezüge etwa zur Nationalgalerie und zum Neuen Museum wieder hergestellt werden. Der nördliche Gehweg zum Beispiel wird dann wieder in den Kolonnadengang auf der Museumsinsel führen.

„Vor allem Touristen nutzen die Friedrichsbrücke“, sagt Petra Rohland. Zusammen mit den Kolonnaden sei sie ein besonderer Ort – im Sommer würden dort zum Beispiel Musiker spielen, unter den Kolonnaden wird getanzt. Auch deshalb zählt die Verbreiterung der Friedrichsbrücke zu den Investitionen der Stadt rings um die Unesco-Welterbestätte Museumsinsel.

Angeliefert werden die neuen Brückenteile am Dienstagabend per Schiff, sie liegen schon im Westhafen bereit. Mit Hilfe von zwei großen Kränen sollen sie über der Spree montiert werden, dabei müssen die Kranführer insbesondere beim Absetzen der Stahlträger synchron arbeiten, sagt Arne Huhn, Referatsleiter für Ingenieurbauwerke. „Wir hoffen, dass wir es in einer Nacht schaffen.“ Als Reserve habe man noch die Nacht zu Donnerstag. Während der Montage bleibt die Spree in den Nachtstunden für die Schifffahrt gesperrt. Am Sonnabend soll die Brücke für Fußgänger und Radfahrer wieder freigegeben werden.

Etwa 7,7 Millionen Euro stehen für die Sanierung der 1981 eröffneten Brücke sowie die Verbreiterung zur Verfügung. Wie Petra Rohland sagt, sollen die Arbeiten im Frühjahr 2014 abgeschlossen werden. Die verschiedenen Bauzeiten sollen die Passanten künftig erkennen können. Während der mittlere Teil – die jetzige Brücke – seinen Asphaltbelag behält, werden die Neubauten daneben mit Naturstein gepflastert. Auch die alten Brüstungen sowie die vier hohen Säulen werden wieder aufgebaut. Diese Gestaltungselemente hatte der Senat schon im vergangenen Jahr entfernt, sie werden derzeit restauriert.