Noch steht er auf keinem Lageplan des Tierparks Friedrichsfelde und ist doch älter als der Tierpark selbst - der Friedhof der Familie von Treskow. Bis vor einigen Monaten fanden nur sehr aufmerksame Besucher den verwunschenen Ort mit den Gräbern der Familie, die bis 1945 im Schloss Friedrichsfelde lebte. Denn er lag versteckt und verwildert in einem kleinen Waldstück, abseits des Weges zur Eisbärenanlage.

Anlässlich des 750-jährigen Geburtstags des Ortsteils Friedrichsfelde und des 330-jährigen Jubiläums des Schlosses Friedrichsfelde wurde nun der 200 Quadratmeter kleine Friedhof sorgfältig restauriert und eine große Informationstafel zu den 21 Grabdenkmälern aufgestellt. Am heutigen Freitag findet um 11 Uhr die Übergabe statt, zu der auch Vertreter der Familie Treskow kommen werden, die Pfingsten ihr Familientreffen im Schloss Friedrichsfelde abhalten.

Die Initiative für die Restaurierung ging von der Fördergemeinschaft Freunde der Hauptstadtzoos aus. Deren Vorsitzender Thomas Ziolko berichtet, dass sie rund 38 000 Euro gekostet hat und über Spenden des Fördervereins, der Familie von Treskow und durch das Landesdenkmalamt Berlin finanziert wurde. In einem Dutzend Arbeitseinsätzen haben die Vereinsmitglieder selbst mit Hand angelegt, um die Gräber von Wildwuchs und Unkraut zu befreien und neue Pflanzen in die Erde zu bringen.

Der Direktor des Tierparks, Andreas Knieriem, ist den Freunden der Hauptstadtzoos für ihr bürgerliches Engagement sehr dankbar: „Sie haben den Friedhof aus dem Schatten geholt“. Die Begräbnisstätte wurde von 1821 bis 1943 genutzt. Ihre Anlage geht auf den Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné zurück, der den Park damals für die Treskows in einen englischen Landschaftsgarten umgestaltete. Die zentrale Grabstätte der Familie wurde für die damaligen Besitzer des Geländes Carl von Treskow (1787-1846) und seine Ehefrau Julie geschaffen. Von den zwölf Kindern des Paares starben drei im Knabenalter. An sie erinnert gleich vorn rechts ein Kreuz mit den Namen Leo, Ernst und Otto von Treskow.

Bis 1945 wurden 23 Mitglieder der Familie von Treskow beigesetzt. Insgesamt einundzwanzig Grabdenkmäler aus Granit, Marmor und Eisen konnten über alle Geschichtsbrüche hinweg gerettet und renoviert werden.

Ein besonderer Stein befindet sich hinten links in dem eingezäunten Areal, ein großer Granitblock mit vielen kleinen Inschriften. Mit ihm gedachte die Familie von Treskow ihrer gefallenen Mitglieder aus den Kriegen 1870-1871, 1914-1918 sowie vom September 1939. Wie Thomas Ziolko berichtet, wurde dieser Findling in den 50er Jahren bei der Anlage des Tierparks vom Friedhof entfernt und dann offenbar vergessen. Er lag viele Jahrzehnte auf dem Wirtschaftshof des Tierparks und wurde erst kürzlich von dem Tierparkmitarbeiter Ronald Lächert entdeckt. Die Inschrift war völlig ausgewaschen.

Wer den kleinen Friedhof sucht, findet ihn übrigens schnell, auch ohne Karte. Nur drei kurze Minuten vom Eingang Bärenschaufenster in Richtung Eisbären spaziert und kurz vor der Bärenanlage links in einen frisch mit Rindenmulch ausgelegten Pfad abgebogen, schon ist man da. Der Besuch lohnt. Die Informationstafel liest sich wie ein „Who is who“ der preußischen Geschichte.