Bis zum Sommer 2014 stand hier noch ein Garagenkomplex, dessen Wände mit Plakaten dekoriert waren und der abends als Lovelite-Club die Nachtschwärmer anzog. Die Garagen und der Club mussten einem Wohnkomplex weichen - doch an der Ecke Simplonstraße-Haasestraße leuchtet wieder der Name Lovelite.

Alter Name, neues Konzept

Aus dem früheren Club ist ein Café geworden, das sich nicht hinter Betonwänden versteckt, sondern mit großen Fenstern einlädt. Drinnen am Tresen sitzt der neue-alte Betreiber, telefoniert mit Künstlern und spricht mit neuen Nachbarn. Hauke Stiewe, in der Friedrichshainer Clubszene bekannt wie ein bunter Hund, versucht hier ein gewagtes Comeback: Mit altem Namen und neuem Konzept.

Das abgerissene Lovelite war eine der langlebigsten Clubs in der kurzlebigen Friedrichshainer Clubszene. Die verlassenen Werkstätten, von den ersten Aktivisten zuerst für Kunstprojekte genutzt, öffneten sich ab 1999 mit Ausstellungen, Konzerten, Lesungen für den Kiez.

Musikalisch dominierten Funk, Soul, Balkan Beat – eigentlich alles außer Techno. HipHopper MaxWellSmart widmete 2002 dem Club sogar eine Hymne: „Lovelite – We Feel The Freiheit. Schön, dass Ihr alle mit dabei seid!“

An der Stelle des heutigen Café betrieb Jochen Ströh, der sich als Soundtüftler international einen Namen gemacht hat, sein analoges Tonstudio, nahm Künstler wie Kitty Solaris auf. 2007 stieg Hauke Stiewe beim Lovelite ein, der zuvor schon in diversen Friedrichshainer Clubs wie dem Fischladen mitgemischt und Aktionen wie die alljährliche Wasserschlacht auf der Oberbaumbrücke mitinitiiert hatte.

Seit den 90er Jahren ist Hauke Stiewe in Berlin politisch aktiv: Er streitet mit dem Konterfei von „Hasi Hase“ in der alternativen „Bergpartei“ für soziale Forderungen wie ein bedingungsloses Grundeinkommen oder das unantastbare Recht auf ein gescheitertes Leben.

Keine Konfrontation mit Bauherren

Als ihm klar wurde, dass das Lovelite, wie so viele Läden zuvor, einem teuren Neubau weichen muss, suchte er nicht die Konfrontation mit den Bauherren, sondern übte eher sanften Druck aus. Er erklärt, dass er immer wieder erlebt habe, dass aggressive Maximalforderungen von autonomen „Politniks“ eher das Gegenteil bewirken und zur Verhärtung beitragen.

Stiewe ging anders vor: Für sein Versprechen, den Bau nicht zu blockieren oder zu verzögern, erreichte er tatsächlich, dass die Baugemeinschaft ein Kulturcafé projektieren und bauen ließ.

"Rapante Rapante"-Puppenspieler René Marik im Boot

Da Stiewe selbst nicht genügend Geld für den Kauf hatte, gewann er einen Mitstreiter aus früheren Hausbesetzertagen. Der Puppenspieler René Marik, der mit skurrilen Figuren wie einem sprachbehinderten Maulwurf Tausende Fans fand, investiert hier sein „mit Freude verdientes Geld“, wie er es nennt. Er wurde Eigentümer des Cafés, das er zu Sonderkonditionen an Hauke Stiewe und dessen Kompagnon Marvin Drechsler vermietet.

Die Ausstattung wie die Kaffeemaschinen stammen aus der „Kaufbar“ aus der nahen Gärtnerstraße, die dem Verdrängungsdruck weichen musste. Auch einige Angestellte fanden hier einen neuen Job. Stiewe und Marik sehen das neue „Lovelite“ als Chance, Freiräume zu erhalten. Auch Marik, der im Kiez wohnt, kümmert sich, wenn er nicht gerade wieder auf Tournee ist, um den Laden, will seine Kontakte in die Kleinkunstszene nutzen, um Künstler für Auftritte zu gewinnen.

Immer mehr Künstler füllen den Lovelite-Terminkalender

Nachdem das Lovelite Ende Oktober eröffnet hat, füllt sich der Terminkalender langsam aber stetig. So will das Clowninnenduo Kellig und Korhohen im regelmäßigen Sonntagsvarieté eine offene Bühne für Kleinkunst, Quatsch und Clownerie etablieren.

Die „Couch Poetos“ um Sandra Bosetti, bisher im Kaffee Burger zuhause, haben gerade bekannt gegeben, dass sie künftig an jedem ersten Donnerstag im Monat im Lovelite auftreten werden. Ob neben Poetry, Kleinkunst und Lesungen auch lautere Musik gespielt werden kann, müssen Stiewe und Co erst austesten.

Zwar wurde viel in den Schallschutz investiert und befindet sich das Lovelite unter einem Architektenbüro, das abends leer steht. Trotzdem meldeten sich schon Wohneigentümer, die abends Klänge gehört hatten.

Arme zahlen weniger

Stiewe sieht das Lovelite ohnehin nicht als Club, sondern will den Raum zur Begegnungsstätte für den Kiez machen. Seine soziale Ausrichtung beweist das Angebot, allen Trägern des „Berlin Passes“ 50 Cent Nachlass zu geben. Einführen will er die Tradition aus Mittelmeerländern, dass reichere Gäste Geld für ärmere Gäste hinterlegen.

Auch wenn Stiewe mit seiner „Bergpartei“ bei der jüngsten Berlin-Wahl nur ein paar Hundert Stimmen bekam, so hat er hier im Lovelite einen Ort gefunden, seine Utopien wenigstens ansatzweise auszuprobieren.

Sein Maskottchen „Hasi Hase“ klebt als Sticker neben der Tür, und den Eingang haben sie bewusst in die Haasestraße gelegt, um die passende Adresse zu haben. Noch lärmt gegenüber vom Lovelite eine Großbaustelle. Doch Stiewe hat natürlich schon Ideen, was aus der Straße werden sollte – eine Spielstraße.