Berlin - Die Rigaer Straße in Friedrichshain wird für eineinhalb Jahre gesperrt. Das teilte das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg am Donnerstag mit. Zwischen Samariterstraße und Voigtstraße können von 1. August 2017 bis 28. Februar 2019 keine Autos mehr fahren, auch für Radfahrer und Fußgänger ist die Straße dicht.

Grund seien "umfangreiche Bauvorhaben in der Rigaer Straße jeweils in Höhe der Hausnummern 36-39 und unmittelbar gegenüber in Höhe der Hausnummern 71-73", so das Bezirksamt. Dort entstehen auf einem ehemaligen Gewerbegelände 133 neue Wohnungen. Die Miete im neuen Carreé Sama Riga (Gesamtinvestitionsvolumen: 37 Millionen Euro) soll bei 11 bis 13 Euro kalt liegen. Gegen das Projekt hatten Anwohner im vergangenen Jahr demonstriert.

Canan Bayram:  Vollsperrung ist "unverhältnismäßig und rechtswidrig"

Die Entscheidung, die Straße in diesem Bereich zu sperren, sei von der Straßenverkehrsbehörde in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Straßen- und Grünflächenamt gefallen. "Ausschlaggebend für die Anordnung der Vollsperrung war insbesondere die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer", heißt es vom Bezirksamt. Darüber hinaus verkürze sich die Bauzeit um zwei bis drei Jahre. 

Die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram bezeichnet die Vollsperrung auf Twitter als "unverhältnismäßig und rechtswidrig". Die Anwohner seien an der Entscheidung nicht beteiligt gewesen.

Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Cansel Kiziltepe schrieb auf Twitter, dass die Vollsperrung für die Anwohner unakzeptabel sei und dringend geprüft werden müsse. Die Bürgerbeteiligung sei in diesem Fall "maximal ungenügend". 

Glücklich mit der Entscheidung des Ordnungsstadtrates Andy Hehmke (SPD) ist auch Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann nicht. "Ich habe gebeten zu prüfen, ob wenigstens Fußgänger und Radfahrer durch können", twitterte sie. Offenbar ohne Erfolg. 

Das umstrittene links-alternative Projekt "Rigaer 94" ist von der Sperrung übrigens nicht betroffen - es liegt einige hundert Meter weit entfernt.