Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will Wohnungen, die in größerer Zahl aus Spekulationsgründen leer stehen, beschlagnahmen, um dort Flüchtlinge und Obdachlose unterzubringen.

Das hat das Bezirksparlament am Mittwochabend auf Antrag von Grünen, Linken und Piraten beschlossen.

Gespräche mit Eigentümern der Wohnanlage Riehmers Hofgarten

Das Bezirksamt führt dazu bereits Gespräche mit den Eigentümern der Wohnanlage Riehmers Hofgarten, wo bis zu 40 Wohnungen leerstehen sollen. Dass Riehmers Hofgarten überhaupt so in den Fokus geraten ist, hat mit Lage, Charakter und Geschichte der Anlage zu tun: Vor gut 120 Jahren entstanden zwischen Mehringdamm, Yorck-, Großbeeren- und Hagelberger Straße knapp 20 Häuser mit einem Hof. Gedacht waren die für damalige Verhältnisse üppig ausgestatteten Wohnungen für Beamte oder solvente Bürger.

Das funktionierte, bis Krieg und Mauerbau die Stadt völlig umkrempelten. Die Häuser verkamen (wie so viele Altbauten in beiden Teilen der Stadt), bis in den 1970er-Jahren Studenten einzogen. Davon profitiert die Anlage noch heute – bis jetzt wohnen viele Akademiker im Hofgarten, der nach Renovierung und Sanierung zu den begehrten Adressen der Innenstadt zählt.

Das lockt naturgemäß Investoren an, die auf eine rasche Privatisierung der Mietwohnungen abzielen. Doch mal scheiterten die Spekulanten an langfristigen Verträgen, mal an zu geringem Eigenkapital. Jedenfalls gibt es bis heute fast nur Mietwohnungen in der Anlage. Es gibt Schätzungen, nach denen mehr als 20 Prozent aller Wohnungen leer stehen. Zumindest potenziell wäre Platz für neue Bewohner, also auch für Flüchtlinge. (BLZ)