08.08.2020, Berlin - Deutschland. Das May-Ayim-Ufer ist verwahrlost, weil die Leute ihre Partyreste einfach liegen lassen. Pizzakartons, Flaschen, Zigarettenstummel etc. häufen sich.
Foto: Berliner Zeitung/Sabine Gudath

BerlinKaffeebecher, Pizzakartons, Glasscherben: In den Parks und auf den Straßen des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg türmt sich der Müll. Daran haben auch die Beschränkungen des öffentlichen Lebens in der Corona-Krise nichts geändert. Vielmehr trage die Schließung der Clubs dazu bei, dass sich Partys und Treffen in den öffentlichem Raum verlagern, sagt Bezirksbürgermeisterin Monika Herrmann (Grüne). Sie beklagt die damit einhergehende Verschmutzung und regt neue Gegenmaßnahmen an. 

Der Bezirk habe bereits in den vergangenen Jahren mehr Geld und mehr Personaleinsatz in den Kampf gegen den Müll investiert, so Herrmann. Die Ausgaben für die Reinigung von Grünflächen seien von 447.000 Euro im Jahr 2016 auf 677.000 Euro im Jahr 2019 gestiegen. Und doch bleibe das Problem gerade im Sommer bestehen. Kaum sei ein Park gereinigt, finde man ihn bereits am nächsten Tag wieder verschmutzt vor. Die anfallende Müllmenge in den Grünanlagen habe über die Jahre deutlich zugenommen.

Viele Menschen, viel Müll

Die Ursachen des Müllproblems seien vielfältig, so Herrmann. Im Bezirk hätten viele Mieter keine Balkone, weshalb sich das soziale Leben in Parks verlagere. Hinzu komme, dass die Flächen stark von Bewohnern anderer Bezirke und von Berlin-Besuchern genutzt würden. In jüngster Zeit, so Herrmann, finde das Nachtleben aufgrund der Club-Schließungen verstärkt im Freien statt. Seit Beginn der Corona-Krise sei der öffentliche Raum zudem vermehrt durch Verpackungen von Außer-Haus-Essen verschmutzt.

Vor diesem Hintergrund fordert Bezirksbürgermeisterin Herrmann eine Debatte über neue Konzepte im Kampf gegen den Müll in Berlin. Zum einen brauche ihr Bezirk eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung. Zum anderen fordert Herrmann „ein gerechteres und solidarisches System, wie Gelder für die Müllbeseitigung im öffentlichen Raum stadtweit verteilt werden“. Auf der Hand liegt, dass die City-Bezirke nicht nur von City-Bewohnern verschmutzt werden, sondern zum Beispiel auch von Touristen.

Mülleimer werden doppelt so oft geleert

Um die Belastung für ihren Bezirk zu verdeutlichen, nennt Herrmann einige aufwendige Maßnahmen, die bereits in der Vergangenheit nötig wurden. Müllbehälter in Grünanlagen werden seit 2019 sechsmal statt dreimal wöchentlich geleert. Die Reinigung der Grünflächen findet im Sommer nun zweimal wöchentlich statt. Im Volkspark Friedrichshain gibt es bereits seit 2018 eine erhöhte Reinigungsfrequenz. In einigen Parks ist auch die BSR im Einsatz. Und doch, so Herrmann, bestehe das Müllproblem weiter.

Noch im August will die Bezirksbürgermeisterin nun alle zuständigen Behörden und Akteure einladen, an einem Strategie-Treffen zum Thema Müllaufkommen teilzunehmen. Bereits erarbeitet hat der Bezirk ein „Zero-Waste-Konzept“ zur Müllvermeidung. Die Zahl der Trinkwasserbrunnen wurde von drei auf 23 erhöht, damit weniger Plastikmüll in Form von Trinkflaschen anfällt. Die BSR wird in diesem Sommer zudem sechs Sperrgut-Aktionstage durchführen. Dies soll Bürgern die Möglichkeit geben, Sperrmüll fachgerecht zu entsorgen – statt ihn in Parks abzuladen. 

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