Heizpilze sind in Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf erlaubt.
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Berlin - Heizpilz oder nicht? Die Gastro-Krise lindern – und dafür die Klima-Krise verschlimmern? Das ist die Frage, vor der die zwölf Berliner Bezirke seit Wochen stehen. Beim Gastronomie-Gipfel am Freitag diskutierten Vertreter der Bezirke mit Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) und dem Lobbyverband Dehoga Hilfen für die Gastronomie im Herbst und Winter. Beim Thema Heizpilze allerdings schieden sich die Geister, es konnte keine Einigung erzielt werden.

Trotz Empfehlung von Pop und Verkehrssenatorin Regine Günther (ebenfalls Grüne) stößt die Wiedereinführung der Gasheizstrahler zum Beispiel im grüngeführten Friedrichshain-Kreuzberg auf massiven Widerstand. Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg, sagte der Berliner Zeitung am Sonntag: „Die Klimakrise ist zu weit fortgeschritten, um jetzt über die Genehmigung von Heizpilzen nachzudenken. Jedes Gramm CO₂, was zusätzlich in die Luft gepustet wird, bringt uns näher an den Rand der Katastrophe.“ Es gebe andere, CO₂-arme Wärmequellen. Auf ihnen sollte der Fokus liegen, so Herrmann.

Seit 2009 ist das Aufstellen von Heizpilzen in Friedrichshain-Kreuzberg untersagt. Heizpilze werden „auch in diesem Jahr nicht genehmigt“, teilte eine Sprecherin des Bezirksamts mit. Aus Pankow und Treptow-Köpenick hieß es, man sei bestrebt, eine „bezirkseinheitliche Lösung“ herbeizuführen.

Infrarotwärmer oder Elektroheizstrahler genehmigt

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) sprach sich am Sonntag im Interview mit der Berliner Morgenpost deutlich für die Nutzung von Heizpilzen aus. Aerosole in geschlossenen Räumen seien jetzt im Herbst und Winter ein großes Problem. „Mein Ziel ist es, Infektionen in geschlossenen Räumen zu verhindern und möglichst viel nach außen zu verlagern.“ Ein Mittel dafür seien auch Heizpilze. Die Grünen-Senatorinnen Pop und Günther hatten die Nutzung von Heizpilzen in Herbst und Winter bereits  empfohlen – allerdings nur, wenn im Gegenzug ein weiterer freiwilliger autofreier Tag für Berlin ausgerufen werde.

Zwei Bezirke erlauben bereits jetzt Heizpilze: Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf – wenn die Heizgeräte den Brandschutzregeln entsprechend aufgestellt sind. Das bedeutet: weit genug von der Fassade entfernt, nicht unter überdachten Flächen. Gut 2500 gastronomische Betriebe gebe es in seinem Bezirk, sagt Arne Herz (CDU), Vize-Bürgermeister von Charlottenburg-Wilmersdorf. Für diese Betriebe werde die Errichtung von Einhausungen oder Überdachungen samt der Benutzung von Wärmequellen befristet bis 31. März geduldet. „Ich appelliere ausdrücklich an die Gastronomen, klimaschutzfreundliche Geräte zu benutzen und verantwortungsvoll mit den Geräten umzugehen“, so Herz. Die FDP im Abgeordnetenhaus fordert in einem Antrag, dass der Senat den Bezirken die Kompetenzen entzieht und „eine entsprechende Erlaubnis kurzfristig landesweit“ erteilt.

Die oberste Gastro-Lobbyorganisation aber hält ein so rigoroses Durchgreifen des Senats beim Thema Heizpilze selbst offensichtlich gar nicht für notwendig. Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer der Dehoga Berlin, sagte der Berliner Zeitung am Sonntag, der Gastro-Gipfel am Freitag sei kontrovers, aber angenehm verlaufen. Die Bezirke hätten sich darauf geeinigt, Genehmigungen für Außenflächen bis zum 31. März zu verlängern sowie Einhausungen, Trennwände und Pavillons auf diesen Flächen unkompliziert zu erlauben. Infrarotwärmer oder Elektroheizstrahler würden von allen Bezirken genehmigt. Nur bei den Heizpilzen habe es gehapert – es gebe aber ohnehin leistungsstärkere und weniger klimaschädlichere Alternativen. Lengfelder stimmt Bezirksbürgermeisterin Herrmann in ihrer Kritik zu: „Inhaltlich hat sie recht – und sie erlaubt ja auch andere Möglichkeiten.“