Friedrichshain-Kreuzberg: Protest gegen Luxus-Neubauten in Berlin

Es waren nicht viele, aber sie waren laut: Sowohl in Kreuzberg als auch in Friedrichshain haben am Wochenende je etwa 200 Menschen gegen die Verdrängung alteingesessener Mieter und zunehmendes Gewinnstreben der Vermieter demonstriert. Während sich der Protest im Samariterviertel in Friedrichshain am Sonnabend gegen ein Neubauvorhaben der CG-Gruppe mit 133 Wohnungen in der Rigaer Straße 70/73 wendete, ging es in Kreuzberg am Sonntag gleich um zwei „gefährdete“ Gebiete – die frühere Bock-Brauerei in der Fidicinstraße und das Dragoner-Areal am Mehringdamm/Ecke Obentrautstraße direkt hinter dem Finanzamt. In beiden Gebieten wollen Investoren teure Eigentumswohnungen schaffen; das Verfahren zum Dragoner-Areal ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

"Immer weniger Wohnungen für normale Leute"

„Es gibt immer mehr Eigentumswohnungen und immer weniger Wohnungen für normale Leute“, sagte eine Teilnehmerin der Kreuzberger Demonstration. Diese Tendenz zerstöre auf Dauer die Vielfalt und damit die Stadt selbst. Ein Teilnehmer erklärte, die Mieten in diesem Teil Kreuzbergs seien in den vergangenen Jahren „wahnsinnig“ gestiegen, jetzt entstünden Läden, die sich nur noch Leute mit hohem Einkommen leisten könnten. Ihm sei aber bewusst, so der Mann, dass auch er Teil der Verdrängung ist – schließlich sei er erst vor zehn Jahren zugezogen und habe von der „Aufwertung“ des Viertels profitiert.

Während in Kreuzberg vor allem Ältere und Familien protestierten, gingen in Friedrichshain vornehmlich Jüngere auf die Straße. Sie hoffen, dass das Bauvorhaben in der Rigaer Straße, für das noch keine Baugenehmigung vorliegt, verhindert werden kann. Mehrfach hieß es aus dem Demozug: „Wer hier kauft und baut, kauft auch Ärger.“ (cls)