Der Kampf um mehrere von linksautonomen Gruppen bewohnte Häuser in Friedrichshain geht in eine neue Runde. „Liebig 34 verteidigen gegen Gentrifizierung“, so lautete das Motto einer Demo, die am Sonnabend ab 19 Uhr vom Wismarplatz bis zum Bersarinplatz (beides in Friedrichshain) führte. In Anschluss kam es zu einer vorübergehenden Hausbesetzung. Der Anlass der wütenden Proteste: Im Dezember läuft der Pachtvertrag zwischen einem nach eigenen Angaben „anarcha-queer-feministischen Hausprojekt“ und dem Eigentümer des Hauses in der Liebigstraße 34 aus.

„Wir können und wollen nicht zulassen, dass uns dieses Haus genommen wird“, heißt es in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme der Gruppe. Die „Liebig 34“, die nur etwa hundert Meter von der einschlägig bekannten Rigaer Straße 94 entfernt ist, sei „Teil verschiedener politisch notwendiger Kämpfe“. Weiter heißt es: „Lasst uns diese Politik, diese Kämpfe gemeinsam geschlossen auf die Straße tragen! Liebig 34 verteidigen!“

Ein Beamter erlitt ein Knalltrauma

Am Sonnabend nahmen in der Zeit von 19.10 Uhr bis 20.15 Uhr bis zu 1000 Personen an dem Aufzug teil, der vom Wismarplatz durch den Friedrichshainer Kiez zum Bersarinplatz führte. Während der Demonstration vermummten sich mehrere Teilnehmer. „Auf einigen Dächern der Mehrfamilienhäuser an der Wegstrecke standen Personen, die pyrotechnische Gegenstände auf die eingesetzten Polizistinnen und Polizisten warfen“, sagt ein Sprecher. Ein Beamter wurde verletzt. Er erlitt ein Knalltrauma und musste seinen Dienst beenden.

Gegen 20.15 Uhr wurde dann per Lautsprecher von den Demo-Veranstaltern dazu aufgerufen, sich zu einem Wohnhaus im nahe gelegenen Weidenweg zu begeben. Wie der Polizeisprecher berichtete „drangen etwa 20 Personen in eine leerstehende Wohnung im Vorderhaus ein und erklärten diese als besetzt.“

Vor besagtem Haus versammelten sich zudem mehrere hundert Linksautonome. Etwa 80 davon setzten sich nach Polizeiangaben unmittelbar vor den Hauseingang und blockierten so den Zugang. Da sie sich „trotz mehrfachem Bitten nicht entfernten, mussten sie beiseite getragen werden“, teilten die Polizei am Sonntag weiter mit.

Polizei brach Tür auf

Nachdem der für das Haus Verantwortliche informiert wurde, stellte er noch in der Nacht Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs, Strafantrag sowie ein Räumungsersuchen. Um 0.40 Uhr brachen die Einsatzkräfte daraufhin die Tür der besetzten Wohnung auf und brachten die Autonomen nach draußen.

Auf einer linken Internetplattform erklärten die Besetzer schließlich: „Das fast leerstehende Haus wurde heute wieder mit Leben gefüllt.“ Die Besetzung des Weidenwegs 63 stelle sich „radikal gegen den sexistisch und kapitalistisch strukturierten Wohnungsmarkt.“

Die Bilanz der Polizei: „Im Zusammenhang mit dem Aufzug und dem anschließenden Hausfriedensbruch nahmen die Einsatzkräfte insgesamt 87 freiheitsbeschränkende Maßnahmen vor. Die 42 Männer und 45 Frauen wurden alle wieder vor Ort entlassen.“ (BLZ)