Für die größte Show-Bühne der Stadt, bedeutet die zeitweise Schließung einen enormen logistischen Aufwand.
Foto: dpda/Paul Zinken

BerlinEs ist eine Bild mit großer Symbolkraft: Im leeren Zuschauerraum des Friedrichstadt-Palast in Mitte hängt seit ein paar Tagen eine einzelne, verlassene Lampe, die etwas Licht in die Dunkelheit bringt. Das Licht hat eine lange Theatertradition. Es soll die bösen Geister vertreiben und dafür sorgen, dass die guten irgendwann auf die Bühne zurückkehren können.

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Es passt zu den Dingen, die Berndt Schmidt, der Intendant des Palastes, derzeit empfindet. „Ich bin überzeugt davon, dass es weitergehen wird“, sagt er. „Und dass wir aus der jetzigen Situation auch einiges lernen werden. Es wäre mein Wunsch, dass noch mehr Leute erkennen, dass Kultur keine Selbstverständlichkeit ist.“

10.000 Anrufe an einem Tag

Der Palast gehörte zu jenen Theatern, die direkt zu Beginn der Corona-Welle schließen mussten, die Anweisung kam am 9. März von Kultursenator Klaus Lederer. Eine Nachricht, die auch den Palast-Direktor überrumpelte. „Wir hatten das Thema Corona frühzeitig auf dem Schirm, aber die Schnelligkeit und Länge der Schließung hat mich doch überrascht“, sagt Schmidt. „Zu dem Zeitpunkt gab es erst knapp 60 Infektionen in Berlin. Aber es war eine sehr gute und richtige Entscheidung.“

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Für den Palast, die größte Show-Bühne der Stadt, bedeutet die zeitweise Schließung vor allem einen enormen logistischen Aufwand. Das Team hinter den Kulissen stand vor der Aufgabe, rund 40.000 bereits gebuchte Tickets abzuwickeln. „Auf so eine Situation bereitet man sich nicht vor“, sagt Schmidt. „Am ersten Tag nach der Schließung gingen bereits 10.000 Anrufe ein. Bis zu 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kümmerten sich um die Anfragen.“

„Vivid“ ein Jahr verlängert

Bisher seien 35.000 der Eintrittskarten bearbeitet. Derweil kümmern sich die Tänzer darum, dass sie trotz Krise fit bleiben – im Homeoffice. „Jeder für sich trainiert zu Hause weiter“, sagt Schmidt. Im Palast selbst sei die Personallage ausgedünnt. Die Zeit werde unter anderem genutzt, um Kostüme aufzufrischen und an der Technik zu arbeiten.

Die andere Seite der Medaille ist die neue Palast-Revue – nach einer Spielzeit von zwei Jahren sollte die aktuelle Show „Vivid“ im Sommer von den Brettern verschwinden und Platz für ein neues Projekt machen. „In der derzeitigen Situation ist kein Probenbetrieb möglich, Choreographen können nicht ein- und ausreisen und viele Material-Lieferketten sind unterbrochen.“ Neuproduktionen dieser Größenordnung seien schon unter normalen Umständen störanfällig – und unter den jetzigen kaum zu stemmen. Gut für die Fans: „Vivid“ wurde ein Jahr verlängert.

Trotz allem stehen die Chancen gut, dass sich der Vorhang im Palast bald wieder hebt. „Beim Palast haben wir noch etwas Luft, aber natürlich brauchen wir das Geld, das wir jetzt verlieren, für unsere neue Show und Zukunft. Ohne Hilfe aus der Politik hat auch der Palast keine Chance.“