Im Oktober 2019 wurde die Friedrichstraße schon einmal für den Verkehr gesperrt.
dpa/Paul Zinken

BerlinDie Friedrichstraße soll jetzt vom 29. August an zwischen Leipziger- und Französischer Straße versuchsweise bis Ende Januar 2021 autofrei werden. Das kündigte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses an. Der Termin war mehrfach verschoben worden.

Die  Markierungsarbeiten für einen Radweg in der Mitte der Straße sollen am 21. August beginnen. Die Spur soll auch Rettungsfahrzeugen dienen. Entlang der Straße werden laut Günther 65 Bäume in Pflanzkisten aufgestellt, Cafés und Restaurants sollen die Chance erhalten, mehr Tische und Stühle vor ihre Räume zu stellen. Geschäfte werden die Möglichkeit bekommen, Waren in verglasten Pavillons auszustellen, die auf der Fahrbahn stehen.

Der Lieferverkehr soll in die Nebenstraßen verlegt werden, Lkw und Lieferwagen dürfen die Friedrichstraße im Zuge der Kronenstraße zwischen 5 und 11 sowie zwischen 17 und 21 Uhr überqueren.  

Das gesamte Projekt soll den Aufenthalt auf der Straße angenehmer machen und damit dem lahmenden Handel helfen. Günther sagte, die Menschen sollten „Lust zum Shoppen“ bekommen, den Besuch der Straße müsse für sie zum Erlebnis werden: „Sie sollen nicht nur durch die Geschäfte huschen und die Friedrichstraße dann so schnell wie möglich wieder verlassen.“

Wie sich die Straße darstellen wird, konnten die Berliner im Kern bereits am 5. und 6. Oktober 2019 sehen, als die Straße unter dem deutsch-englisch-französischen Motto „Friedrich, the Flâneur“ gesperrt war.

Die Senatorin widersprach dem AfD-Abgeordneten Frank Scholtysek, der eine Verödung der Straße befürchtete und sich auf Studien berief. Sie erklärte, dass alle Studien auf das Gegenteil hinwiesen. Beispielsweise seien die Umsätze des Einzelhandels in Brüssel dort „explodiert“, wo Autos ausgesperrt wurden.

Die Senatorin begegnete dem Vorwurf unter anderem des IHK-Hauptgeschäftsführers Jan Eder, das Vorhaben sei ohne Beteiligung der Anlieger übers Knie gebrochen worden, mit dem Hinweis auf verschiedene Runden und Telefonate. Gerade große Geschäfte - Günther nannte als Beispiel das Kaufhaus Lafayette - zählten zu den Unterstützern der versuchsweisen Sperrung. Bei einer Umfrage, an der sich 137 Gewerbetreibende beteiligt hatten, war eine knappe Mehrheit dafür.

Wirtschafts- und Handelsverbände meldeten jetzt dennoch Kritik an. Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg, kritisierte vor allem den Radfahrer-Streifen: „Statt gemeinsam ein tragfähiges Konzept zur Stärkung des Handels zu entwickeln, hat die Verkehrssenatorin nun einen Radschnellweg durchgesetzt. Gemütliches Bummeln ist so nicht möglich." Potenzielle Kunden hätten keine ausreichende Möglichkeit, die Straßenseite zu wechseln.  Jan Eder sieht gleichfalls Konflikte zwischen Radlern und Fußgängern kommen: „Das macht das Verweilen in der Friedrichstraße sicher nicht attraktiver.“ Er nannte das jetzt vorgestellte Vorhaben einen„ Schnellschuss“.

Auf der Internet-Seite www.berlin.de/friedrichstraße finden sich weitere Infos und eine Karte mit Ladezonen und Parkhäusern.