Es ist ein schöner Wald zum Spazierengehen. Birken und Buchen wachsen hier, Tannen und Fichten, Eiben und Eichen. Doch es ist kein gewöhnlicher Wald: Am Fuße vieler Bäumen sind Tote bestattet. Rund 1300 sind es inzwischen. Friedwald heißt die Anlage in Hangelsberg, die es seit zehn Jahren gibt. Am 30. Juni 2006 hatte Thomas Weber diese im Osten damals neue Bestattungsform auf den Weg gebracht.

Weber, inzwischen 55 Jahre alt, hat seine Erfahrungen mit Angehörigen von Verstorbenen gemacht. „Viele wollen eine Erinnerungsstätte, die eine Alternative darstellt zu den üblichen Grabstellenfeldern“, sagt er. Soll heißen, sie sind auf der Suche nach einer Alternative zu konventionellen Friedhofsbegräbnissen. Solche Alternativen gibt es ja inzwischen. Man kann seine Angehörigen auf hoher See bestatten, die Asche ins Weltall transportieren oder sie zu einem Diamanten pressen lassen. Letzteres ist natürlich sehr teuer.

45 Hektar große Anlage

Thomas Weber ist kein Bestatter, er ist der Stadtforstdirektor von Fürstenwalde (Oder-Spree). Mehr als 4700 Hektar Wald gehören der Stadt, 45 Hektar davon hat Weber im Jahr 2006 zum Friedwald umdeklarieren lassen. Es war der erste in Brandenburg und auch in Ostdeutschland. Dabei hätten auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle gespielt, sagt er. Denn natürlich soll die Stadt mit dem Friedwald auch Geld verdienen. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Bestattung. Ab 490 Euro kostet eine Urnenbeisetzung am Fuß eines Baumes.

Partnergrab und Familienruhestätten

Wer die Grabstätte für 99 Jahre reservieren möchte, muss dafür bis zu 5850 Euro bezahlen. Man kann sich mit neun weiteren, unbekannten Toten bestatten lassen oder auch einen sogenannten Familienbaum reservieren – dort werden dann, ähnlich einer Familiengrabstätte auf einem Friedhof, nur Familienmitglieder beigesetzt. Bis zu zehn Personen finden so ihre letzte Ruhe.

„Auf Wunsch von Angehörigen vergeben wir außerdem Partnerbäume, die dann nur für zwei Menschen reserviert sind“, sagt Stadtforstdirektor Weber. Die Preise für die Bestattungen richten sich auch nach den Bäumen – nach deren Stärke, Alter, Art und Lage.

Grabstätten dürfen nicht bepflanzt werden

Alle Bestattungen in dem Friedwald haben aber eine Gemeinsamkeit. Es dürfen nur Urnen in die Erde gelassen werden, die biologisch abbaubar sind. Und: Die Grabstätten dürfen nicht bepflanzt werden. Was aber nicht heißen soll, dass man zur Beisetzung selbst keine Blütenblätter verstreuen oder ein paar Schnittblumen ablegen darf. Aber all das wird von den Forstmitarbeitern wieder entfernt. „Die Grabpflege übernimmt hier die Natur“, sagt Weber.

Genau das ist es auch, was viele Leute wollen. Sie suchen einen Ort, an dem sie sich – in schöner Umgebung – an ihre Verstorbenen erinnern können, ohne permanent ein Grab pflegen zu müssen. Wer will, kann außerdem an dem jeweiligen Baum eine Namenstafel mit einem Sinnspruch für seinen Verstorbenen anbringen lassen.

Grabstelle zu Lebzeiten aussuchen

Weber kann sich noch genau an die erste Beerdigung im Friedwald in Hangelsberg erinnern. „Das war eine 45-jährige Anwältin, die an Krebs gestorben war.“ Am Anfang waren es rund hundert Beerdigungen im Jahr, inzwischen sind es 170, Tendenz weiter steigend.

„Leute, die sich hier beerdigen lassen, kommen aus der unmittelbaren Umgebung, aber auch aus Berlin“, sagt Weber. Viele kommen auch nach Hangelsberg, um sich schon zu Lebzeiten eine eigene Grabstelle im Friedwald auszusuchen.

Keine konfessionellen Einschränkungen

Wer will, kann sich sogar prophylaktisch einen Baum als spätere Bestattungsstelle pflanzen lassen. Konfessionell gibt es keine Eingrenzungen. „Hier können grundsätzlich Menschen aller Glaubensrichtungen beigesetzt werden, egal ob Christ oder Moslem“, sagt Weber.

Damit sich Besucher im Friedwald zurechtfinden, hat der Stadtforstdirektor einen Informationspfad anlegen lassen. Dort erfährt man beispielsweise, dass Bäume mit freien Grabstellen mit gelben Bändern markiert sind, freie Partnerbäume rote, und freie Familienbäume blaue Bänder tragen.