Wer sich im Berliner Umland schon einmal in einen Landhandel gewagt hat, kennt sie gewiss. Die Milchtankstelle, an der Kunden eigenhändig frische Milch aus dem Automaten in eine Glasflasche zapfen können. Ohne Verpackung, regional, manchmal sogar bio. Attribute, die doch auch in der Stadt funktionieren müssten, glaubt Milchbauer Benjamin Meise aus Buchholz im Landkreis Oder-Spree. Am Donnerstag stellte er den berlinweit ersten Milchautomaten in einem Edeka-Markt an der Bölschestraße in Friedrichshagen auf.

200 Liter Milch passen in den Automaten, der täglich gereinigt und frisch befüllt wird. Nebenan können Kunden für einen Euro die Mehrweg-Glasflaschen kaufen. Den ersten Milchzapfern am Donnerstagmorgen gefällt es, beim Milchkauf per Knopfdruck direkt Einfluss auf das Einkommen des Bauern aus der Region zu nehmen. Nachhaltig sei das Angebot, die fetthaltige Milch schmecke besser, als die aus dem Karton, ist zu hören.

Weniger als 30 Cent für den Liter Milch

Dabei ist Meises „Milchquelle“ eine Antwort auf mächtige Molkereien, die in den vergangenen Jahren immer weniger für den Liter Milch zahlen wollten. Obwohl die Preise für Käse, Butter und Co. zuletzt wieder gestiegen waren und Milchbauern endlich kostendeckend arbeiten konnten, kämpfen viele Milchbauern in Brandenburg mit den schwankenden Preisen. Mit der Direktvermarktung suchen sie nach neuen Absatzwegen, um unabhängiger zu werden.

Die erste Molkerei im Norden Brandenburgs zahlt ab Februar wieder weniger als 30 Cent für den Liter Milch. „Dieser Erlös ist nicht kostendeckend und bedroht Existenzen“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Brandenburger Landesbauernverbandes, Wolfgang Scherfke. Für die nächsten Monate befürchtet er einen weiteren Rückgang.

Nachhaltige Direktvermarktung

Und so geht auch Milchbauer Meise notgedrungen neue Wege. Ein ganzes Netz von Milchtankstellen kann er sich für Berlin vorstellen, die Versorgung Berliner Schüler mit Milch für die Pausen ebenso. Der Buchholzer Bauer setzt auf den Boom regionaler Produkte, die vor allem in Berlin gefragt sind.

Und auch Edeka erhofft sich von der Milchtankstelle neue Kunden. „Wir stehen für Lebensmittel aus unserer Region. Das Selberzapfen von regionaler Milch ist für uns ein Baustein der nachhaltigen Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte“, sagt Uwe Werner, Marktleiter im Supermarkt an der Bölschestraße. Der Markt stellt den Platz für den Automaten zur Verfügung, die Einnahmen gehen an Milchbauer Meise.

Eine Woche Haltbarkeit

Der wirbt für sein Produkt, das direkt nach dem Melken noch auf dem Hof pasteurisiert wird, um eventuelle Keime abzutöten: „Wir homogenisieren die Milch aber nicht, damit bleibt der natürliche Rahm und dessen typischer Geschmack erhalten“, erklärt der Landwirtschaftsmeister. Eine Woche hält sich die Milch, wenn sie gezapft ist, sagt Meise. „Danach wird sie sauer, aber nicht schlecht. Es ist dann so eine Art Joghurt-Drink.“ Milch, die am Abend noch im Automaten übrig ist, nimmt Meise wieder mit auf seinen Hof, sie wird dann an die Kälber verfüttert.

In Brandenburg gibt es derzeit rund 380 Milchviehbetriebe. In den vergangenen zwei Jahren ging jeder fünfte Betrieb verloren.