Der Bundestagsabgeordnete Fritz Felgentreu vertritt die SPD im Verteidigungsausschuss.
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BerlinDiese Personalie hat auch viele Genossen überrascht: Der SPD-Abgeordnete Fritz Felgentreu aus Neukölln tritt im nächsten Jahr nicht mehr zur Bundestagswahl an. Der 51-jährige Verteidigungsexperte hat seit 2013 das Direktmandat für den Wahlkreis Neukölln inne und gilt in seiner Partei als eher rechts von der Mitte verortet. Er hat den Verzicht auf die Kandidatur auf seiner Webseite bekanntgegeben, wollte darüber hinaus aber nichts über die Gründe sagen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist unklar, wer in seine Fußstapfen tritt.

Damit werden innerhalb der Berliner SPD gleich für drei mehr oder weniger aussichtsreiche Wahlkreise Nachfolgekandidaten gesucht. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Spandauer Bundestagsabgeordnete Swen Schulz seinen Verzicht bekanntgegeben. Schon jetzt unbesetzt ist das Direktmandat im Wahlkreis Mitte. Das hatte die Vizevorsitzende der SPD-Fraktion Eva Högl im Mai aufgegeben, nachdem sie zur Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages gewählt worden war.

Diese Personalie hatte innerhalb der SPD-Bundestagsfraktion Querelen ausgelöst: Eigentlich hatte sich der Hamburger SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs Hoffnungen auf das Amt gemacht. Weil er sich übergangen fühlte, gab Kahrs im Mai sein Mandat und seine politischen Ämter auf. Aber auch der bisherige Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels fühlte sich düpiert, da er eigentlich weitermachen wollte. Mit Fritz Felgentreu geht nun bereits ein weiterer verteidigungspolitischer Experte der Sozialdemokraten.

Seine Nominierung als Direktkandidat war innerparteilich in den letzten Monaten eigentlich wieder aussichtsreicher geworden, da sich seine mutmaßliche Konkurrentin in Neukölln, Franziska Giffey, in Richtung Landesebene orientiert hat. Die derzeitige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend will auf dem Landesparteitag Ende Oktober Vorsitzende der Berliner SPD werden und im nächsten Jahr höchstwahrscheinlich in Berlin als Regierende Bürgermeisterin kandidieren. Der jetzige Regierende Bürgermeister Michael Müller wiederum soll nach seinem Verzicht auf die Wiederwahl als Berliner Regierungschef einen aussichtsreichen Listenplatz für die Bundestagswahl erhalten.

Auch wenn Spekulationen und vertrauliche Absprachen nun ihren Anfang nehmen sollten: Wann die Landesliste festgezurrt wird, ist noch unklar. Erst muss der Landesparteitag am 31. Oktober über die Bühne gehen, dann kann – vermutlich im Dezember, vielleicht aber auch später – an die Kandidatenaufstellung gedacht werden.

Der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert hat in einem Interview mit dem Spiegel bereits im Frühjahr seine Ambitionen für den Bundestag bekanntgegeben. Womöglich könnte er dem Noch-Regierenden Müller dafür sogar den ersten Platz auf der Landesliste streitig machen. Da beide aus dem Bezirk Tempelhof-Schöneberg stammen, könnte es auch noch ein schönes Gerangel um die Nominierung für die Wahlkreiskandidatur geben, in dem dann auch noch Mechthild Rawert mitmischen könnte, die den Wahlkreis 2005 einmal direkt gewonnen hat. Rawert war bei der Wahl 2017 gescheitert, ist Ende Mai aber als Nachrückerin für Eva Högl wieder in den Bundestag eingezogen.