Vier US-amerikanische Flugzeuge vom Typ C 123 versprühen das Entlaubungsmittel "Agent Orange" über dem südvietnamesischen Dschungel nahe Tan Son Nhut.
Foto: picture alliance/US Air Force/dpa

BerlinNach dem tödlichen Attentat auf den Mediziner Fritz von Weizsäcker in der Nacht zu Mittwoch werden nun verstörende Details aus der Vernehmung des Täters bekannt. Demnach soll er ursprünglich vorgehabt haben, den Vater seines jetzigen Opfers, den Alt-Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, zu töten. Grund seien dessen angebliche Verstrickungen beim Einsatz von Chemiewaffen amerikanischer Truppen im Vietnamkrieg.

Mittlerweile aus Behördenkreisen bestätigten Medienberichten zufolge soll der 57-jährige S. den Mordermittlern der Berliner Polizei gesagt haben, er fühle eine tiefe Verbundenheit mit dem vietnamesischen Volk, das während des Vietnamkriegs unter dem Einsatz des hochgiftigen Entlaubungsmittels "Agent Orange" stark gelitten habe. Vier Jahre lang nutzten die Amerikaner das Pflanzenvernichtungsmittel, um den Dschungel zu entlauben und Reisfelder zu zerstören. Damit sollten den gegen die USA kämpfenden Vietcong Rückzugsmöglichkeiten zerstört und Hinterhalte auf die US-Truppen erschwert werden. 

Der Verdächtige und Polizisten am Dienstagabend in der Schlosspark-Klinik.
Foto: Morris Pudwell

"Größter chemischer Kriegsangriff der Weltgeschichte"

45 Millionen Liter dieses hochgiftigen Mittels wurden versprüht, schwere Krankheiten, Todesfälle und eine ungewöhnliche hohe Zahl von Fehlgeburten in den betroffenen Gebieten waren die Folge. US-Veteranen sprachen später vom "größten chemischen Kriegsangriff der Weltgeschichte". Das deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen Boehirnger Ingelheim, bei dem Richard von Weizsäcker von 1962 bis 1966 in der Geschäftsführung tätig war, unterstützte den amerikanischen Konzern Dow Chemical in dieser Zeit bei Produktion und Herstellung des Gifts. 

Später hatte von Weizsäcker stets angegeben, erst nach seiner Tätigkeit für den Konzern von dessen Verstrickungen in die Herstellung von Agent Orange erfahren zu haben und drückte großes Bedauern aus. In diesem Zusammenhang, so der jetzt festgenommene Gregor S., habe er den Plan gefasst, Richard von Weizsäcker zu töten - vor etwa 30 Jahren. Weil der frühere Bundespräsident (verstarb 2015) mittlerweile aber nicht mehr am Leben sei, habe er beschlossen, stattdessen Sohn Fritz zu töten. 

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe er "im Rahmen seiner Tatplanung im Internet recherchiert" und sei dabei "auf den Vortrag in der Schlosspark-Klinik" seines späteren Opfers gestossen. Daraufhin sei er am vergangenen Dienstag "mit der Bahn zu der Veranstaltung nach Berlin gefahren" und habe nach eigenen Angaben "zuvor noch in Rheinland-Pfalz ein Messer zur Tatbegehung gekauft". Nach Ende des Vortrags habe er seinen Plan dann umgesetzt und Fritz von Weizsäcker mit besagtem Messer attackiert. Dieser sei "an den Folgen des erlittenen Halsstiches verstorben".

Foto: Schlosspark-Klinik

Der jetzt getötete Fritz von Weizsäcker.

Ermittlungen wegen Mordes und versuchten Mordes

Gregor S. sitzt mittlerweile in einem psychiatrischen Krankenhaus. Die Ermittlungen gegen ihn wegen Mordes sowie versuchten Mordes an einem Polizisten außer Dienst, der den Attentäter aufzuhalten versuchte und dabei lebensgefährlich verletzt wurde, gehen unterdessen weiter.