Die Idee war ja gar nicht schlecht: Der denkmalgeschützte Gebäudekomplex der Bezirksverwaltung in der Pankower Fröbelstraße wird zum neuen Wohnviertel. Der Großteil der Verwaltung zieht aus, und aus den hundert Jahre alten Häusern aus gelben Backsteinen werden Wohnungen. Keine Luxuswohnungen, sondern sozialverträglich, am besten übernähme eine Genossenschaft die Gebäude. Auch für eine Schule wäre Platz, für eine Kita, einen Jugendclub und Angebote für Kinder.

Soweit das Konzept, welches die Bezirksverordneten vor zwei Jahren entwickelt hatten. Es gab sogar schon ein neues Bürogebäude an der Prenzlauer Promenade, in das die Verwaltung umziehen sollte. „Aus all diesen Plänen wird aber nichts“, sagt die für Immobilien zuständige Stadträtin Christine Keil (Linke). Denn die zehn Häuser nutzen künftig nur die Mitarbeiter der Bezirksverwaltung. So hat es die Senatsfinanzverwaltung festgelegt.

Derzeit haben etwa 680 Angestellte dort ihre Büros, dazu gehören auch das Bürgeramt und das Ordnungsamt.

Knapp 800 Angestellte erwartet

Künftig sollen auch Bezirksmitarbeiter anderer Standorte in Pankow ihre Büros in die Fröbelstraße verlegen, so dass später knapp 800 Angestellte dort arbeiten werden.

Auf einer internen Sitzung haben beauftragte Architekten in der vergangenen Woche die Pläne für Umzug und Belegung der Räume vorgestellt. Anfang April wird sich das Bezirksamt mit diesen Plänen beschäftigen, später Bezirksparlament und Abgeordnetenhaus.

Ende des Jahres dann übergibt der Bezirk das gesamte Areal an die landeseigene Berlin Immobilien GmbH und mietet die Räume später zurück. Die Übergabe an das Land Berlin war nötig, weil dem Bezirk das Geld für die dringend notwendige Sanierung der Häuser fehlt. Etwa 15 Millionen Euro werden gebraucht. „Der bauliche Zustand ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Stadträtin Keil. Die Dächer der Häuser haben zum Teil erhebliche Schäden, Fenster sind undicht, Heizung, Sanitäranlagen und Beleuchtung völlig veraltet. Die Betriebskosten für die Unterhaltung der Gebäude mit den hohen Räumen sind sehr hoch.

Weil die Sanierung bei laufendem Betrieb, also Haus für Haus, erfolgen soll, erwartet die Mitarbeiter der Fröbelstraße eine jahrelange Baustelle. Intern ist die Rede von zehn bis zwölf Jahren Bauzeit.

Dafür arbeiten sie in historischen Gebäuden. Das Gelände Fröbelstraße entstand 1889 nach Plänen von Baustadtrat Hermann Blankenstein, anfangs wurde es als Hospital genutzt, später befand sich dort der Rat des Stadtbezirks Prenzlauer Berg.

Nach 1945 betrieben der sowjetische Geheimdienst NKWD und danach die Stasi in Haus 3 einen Haftkeller mit 40 Zellen. Über Jahre wurden dort tausende Menschen eingesperrt, verhört und auch gefoltert. Viele waren unschuldig. Mit einem Denkzeichen, einem 320 Meter langen Band aus Acrylglas, auf dem 61 Fragen eingraviert sind, wird der Opfer gedacht.