Sobald meine einjährige Tochter das Tablet erblickt, beginnt sie vor Freude zu kreischen und will es sofort mit beiden Händen schnappen. Es hat eine magische Anziehungskraft auf sie. Genau wie das Smartphone, das sie sofort gebannt anvisiert, wenn es auch nur einmal piept.

Tablets sind begehrte Spielzeuge

Dass sie so scharf ist auf die mobilen digitalen Medien, das überrascht mich keineswegs. Nicht nur, weil sie bunte Bewegung zeigen und damit aus ihrer Sicht Wunder vollbringen können, sondern weil wir die Geräte schließlich jeden Tag benutzen, sie gehören zu unserer Lebensrealität. Sie hat längst verstanden, dass man mit dem Tablet die Oma anrufen und Fotos anschauen kann. Und dass Mama und Papa, auch wenn sie es versuchen zu vermeiden, häufig auf das Smartphone starren. Ich frage mich, wie ich nun am besten reagiere: Tablet und Smartphone vor ihr verstecken oder auf ihre Begeisterung eingehen und ihr sogar ein paar Spiele zeigen?

„Verstecken oder verbieten ist nicht realistisch,“ sagt Medienpädagogin Kristin Langer von der Initiative „Schau hin!, dem Medienratgeber für Familien, „Kinder nehmen die Geräte als begehrtes Spielzeug wahr.“ Eltern sollten für diese Faszination Verständnis haben. „Wenn ganz Kleine gelegentlich mit Smartphones oder Tablets spielen, ist das kein Problem, wenn Inhalte und Dauer kindgerecht sind. Sie sollten sich den Geräten aber freiwillig und selbstbestimmt nähern.“

Kinder beim Umgang mit Medien begleiten

Wann und in welchem Ausmaß kleine Kinder in Kontakt kommen mit Tablets und Smartphones, das hängt natürlich von der Familiensituation ab. Manche Eltern haben das Tablet immer auf dem Couchtisch liegen, andere nicht einmal ein Smartphone zuhause. Allgemeine Altersrichtwerte für die Mediennutzung kleiner Kinder könne man deshalb nicht aufstellen, sagt Kristin Langer. „Wichtig ist, dass Eltern ihre Kinder von Anfang an beim Umgang mit den Geräten begleiten und gemeinsam mit ihnen in diese Welt eintauchen.“

Geräte allein führen nicht zur Reizüberflutung

Aber sind die digitalen Bilder oder das Wischen und Tippen nicht grundsätzlich zu viel zu verarbeiten für ein kleines Kind? „Man kann nicht generell sagen, dass ein Mediengerät zu Reizüberflutung führt. Das kommt immer auf die Inhalte, die Befindlichkeit des Kindes und die Aktivitäten des Tages an“, erklärt Kristin Langer. Wenn es am Tag schon viel Trubel, akustische und visuelle Eindrücke gehabt habe, sei ein Tablet-Spiel mit schnellen Bildfolgen nicht zu empfehlen.

Mediennutzung zeitlich begrenzen

Grundsätzlich kommt es darauf an, wie viel Zeit das Kind mit den digitalen Geräten verbringt. Im Leben der Kleinkinder müsse es vor allem noch viele nicht-medial vermittelte Inhalte geben, die etwas mit Riechen, Schmecken und Fühlen zu tun haben, sagt Langer. Kinder sollten Zeit haben, Dinge mit allen Sinnen zu erleben, also Tiere auch in der Natur zu erfahren, nicht nur auf dem Tablet. „Wichtig ist vor allem, dass die Medienzeit gegenüber anderen Aktivitäten im richtigen Verhältnis steht und reale Erfahrungen nicht durch digitale Welten einfach verdrängt werden.“

Was aber, wenn das Kind ständig nach dem Smartphone grapscht? Bei den ganz Kleinen funktioniert Ablenkung noch gut. Wenn sie etwas anderes sehen, ist das Gerät schnell vergessen. Bei den etwas größeren Kindern sind feste Strukturen empfehlenswert. Eltern sollten klar machen, was Kindern und was Erwachsenen vorbehalten ist, so Medienpädagogin Langer. Dazu gehöre, dem Kind, was die Mediennutzung betrifft, konsequent Grenzen zu setzen. „Verzicht gehört auch auf diesem Gebiet dazu.“ Die Kinder müssen lernen, dass die Mediengeräte nicht immer verfügbar sind, sie sollten sie gezielt und bewusst nutzen.

Kinder-Apps bewusst aussuchen

Und wenn ich mein Kind spielen lasse, wie finde ich die richten Spiele? Eltern können die Interessen des Kindes aufgreifen und die Inhalte danach auswählen, zum Beispiel wenn das Kind Musik oder Tiere besonders mag. „Ein bis zwei Apps reichen für den Anfang“, sagt Dr. Christine Feil vom Deutschen Jugendinstitut, die gerade zum Thema digitale Mediennutzung von Kleinkindern forscht. Da Kinder ohnehin Wiederholungen liebten, gelte die Devise: „weniger, aber ausgewählt Gutes“.

Wo findet man gute Kinder-Apps? Und wie kann man verhindern, dass Kinder schädliche Inhalte sehen? Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite.