Berlin - Um Besucher muss sich Armin Woy wirklich keine Gedanken machen. Vor dem mannshohen grünen Gitterzaun an der Kiehnwerderallee in Treptow haben sich am Sonntagvormittag wieder so rund 30 Leute versammelt.

Sie alle haben sich schon einige Zeit vorab im Internet angemeldet, denn sie wollen den ehemaligen Spreepark im Plänterwald besichtigen. Und das geht nur alle 14 Tage sonntags und dann auch nur in kleinen Gruppen.

Park ging nach 10 Jahren pleite

Woy, 53 Jahre alt, erzählt über den Park und trifft auf interessierte Zuhörer. Schon bei der Frage, wer denn überhaupt schon einmal in dem früheren DDR-Vergnügungspark gewesen ist, heben sich nur fünf, sechs Hände. Also erzählt Woy die Geschichte. Am 4. Oktober 1969 wird der Spreepark im Plänterwald eröffnet.

Dieser Inhalt ist nicht mehr verfügbar.

Er ist der einzige Vergnügungspark der DDR und wird auch bis zu deren Ende ihr einziger bleiben. Am 7. Oktober 1969, einem geschichtsträchtigen Feiertag – da wurde die DDR 20 Jahre alt – tobt dort jedenfalls das Leben. Achterbahn, Riesenrad, Gespensterbahn, Autoscooter – alles, was es in den Vergnügungsparks im Westen gibt, ist auch im Plänterwald umlagert. Das geht erst einmal bis zur Wende im Jahr 1989 so.

Dann beginnt ein anderes Zeitalter. 1991 wird der Park privatisiert. Die neuen Besitzer schaffen neue Fahrgeschäfte an, bauen ein englisches Dorf, eine Westernstadt auf, lassen Dinosaurierattrappen aufstellen und Wasserrutschen installieren. Trotzdem geht der Park nach zehn Jahren pleite. Der Eintritt ist hoch – viel zu hoch sagen viele. 29 Mark, für Kinder 27 – mussten damals Eintritt gezahlt werden. Und, die Pächterfamilie ist auch in kriminelle Geschäfte verwickelt.

Teil der Lost Places in Berlin

Jedenfalls ist 2001 Schluss, das Riesenrad, 45 Meter hoch und bis damals eine Attraktion in Berlin, wird stillgelegt, erzählt Woy. Seitdem ist der 25 Hektar große Park, direkt an der Spree gelegen, verfallen. Es hat Großbrände gegeben, die das englische Dorf mit seinen Hausattrappen weitestgehend verschlugen haben. Den Rest haben Witterung und Vandalismus erledigt.

Trotzdem ist der Spreepark nicht wirklich in Vergessenheit geraten. Denn im Internet fungiert das Gebiet unter Lost Places. Die verlorenen Plätze – dazu gehören in Berlin und Brandenburg beispielsweise das Olympische Dorf von 1936, die Beelitzer Heilstätten, die Anfang der 90er Jahre von der sowjetischen Armee geräumt wurden, und die US-Abhörstation auf dem Teufelsberg.

Seit 2016 gehört der landeseigenen Berlin Grün GmbH das Areal. Sie soll aus dem überwucherten Gelände wieder einen Park machen. Schon seit Wochen sind Bagger und Raupen auf dem riesigen Areal im Einsatz. Erste Bereiche des Spreeparks können deshalb wieder besichtigt werden, sagt Woy. Andere, wie etwa das Areal rund um die große Achterbahn, sie hatte eine Höhe von 31 Metern, die Wagen erreichten ein Tempo von 65 km/h, sind noch gesperrt. „Da herrscht Einsturzgefahr“, warnt Woy.

Was die Grün Berlin GmbH – ihr gehören auch der Britzer Garten und der Erholungspark Marzahn – aus den Spreepark genau machen wird, ist noch unklar. Auf jeden Fall keinen Vergnügungspark mehr, versichert Woy.

Denn die Masse der Fahrgeschäfte ist hinüber, die meisten Gebäude, in denen einmal Zuckerwatte, Brat- und Bockwürste, Schaschlik und Bouletten verkauft wurden, müssen abgerissen werden. „Erst einmal muss das Gelände beräumt und gesichert werden“, sagt der 53-Jährige. Sind die Kosten nicht zu hoch, könnte aber das Riesenrad 2018 wieder zu einem Berliner Wahrzeichen werden.