Die ganze Etage ist mit anthrazitfarbenen Teppichboden ausgelegt. Die Wände sind teilweise vertäfelt und die Einbauschränke aus Massivholz. Es gibt Sitzungszimmer hinter Glas, geschmackvoll eingerichtete Sanitärbereiche und Küchen. Sogar die Lamellen-Jalousien vor den Fenstern wirken gediegen.

Früher war das erste Stockwerk des Bürogebäudes an der Bundesallee 171 in Wilmersdorf für wichtige Bank-Kunden reserviert, hier wurde über Kredite verhandelt. In spätestens zwei Wochen sollen Mitarbeiter des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) in die Büros einziehen und dort den ganzen Tag über Asylsuchende empfangen. Aus dem einstigen Sitz von Sparkasse und Landesbank Berlin wird eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge.

Vor gut einer Woche hat der Senat das Gebäude beschlagnahmt, seitdem finden hier pausenlos Begehungen statt. Mitarbeiter der landeseigenen BIM Berliner Immobilienmanagement bereiten den Umzug vor, und sie haben es eilig. Die bisherige Erstaufnahmestelle in der Moabiter Turmstraße ist überlaufen und soll so schnell wie möglich entlastet werden.

Vor allem aber sollen Asylsuchende nicht mehr im Freien ausharren müssen. Die Schalterhalle an der Bundesallee ist rund 1000 Quadratmeter groß. Sie bietet Platz für bis zu 2000 Wartende – und schützt vor Regen und Kälte.

Leander Erben kennt sich in dem zehnstöckigen Gebäude mit Flachanbau, Tiefgarage und Stellflächen an der Hinterseite bestens aus. Seit rund einem Jahr ist er der Hausmeister, im Auftrag der Investa Asset Management, die das 1968 fertiggestellte Bürohaus zuletzt verwaltete. Formal gehörte es zur Konkursmasse der Hypo Real Estate, die nach der Finanzkrise 2009 verstaatlicht wurde. Die Abwicklungsanstalt des Bundes beauftragte kürzlich einen Insolvenzverwalter, das Haus zu verkaufen.

Beschlagnahmung gestoppt

Das Verfahren wurde durch die Beschlagnahmung des Senats gestoppt. Parallel verhandelte das Land über einen Kauf, in Kürze soll der Eigentümerwechsel für gut 20 Millionen Euro vollzogen sein. „Ich finde es klasse, dass das Gebäude jetzt für Flüchtlinge zur Verfügung stehen wird“, sagt Leander Erben. Er hält das Haus für geeignet. Und für gut in Schuss, obwohl es etwa vier Jahre nahezu leer stand. Wasser und Elektrik funktionieren, nur die Lüftung braucht eine neue Steuerung. In der Schalterhalle gibt es zu wenig Toiletten, aber für zusätzliche mobile Sanitäranlagen ist ausreichend Platz.

Im Moment steht das Haus nicht leer. Ein Großteil wird seit knapp einem Jahr für Filmproduktionen genutzt, auch die vornehmen Büros des Ex-Bankenvorstands im zweiten Stockwerk des Flachbaus. Hauptmieter ist Flatliners, ein Berliner Dienstleister für die Filmindustrie. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, leere Gebäude wie die Lungenklinik in Heckeshorn oder eben die Bundesallee vorübergehend zu mieten und die Produktion von Filmsequenzen anzubieten.

In erster Linie produziere er Krankenhaus-Szenen, erzählt Flatliners-Geschäftsführer Jörg Meier, aber eben auch Banküberfälle. Keine Geschäftsbank in Berlin wolle solche Produktionen im eigenen Haus erlauben, weshalb es natürlich schade sei, dass die alte Schalterhalle künftig nicht mehr zur Verfügung stehe. Dennoch fühle er sich vom Senat nicht hinausausgeworfen, sagt Jörg Meier. Angesichts der vielen Flüchtlinge gebe ein höheres Interesse. „Das wir ausziehen, ist doch klar“. Er wolle mit der BIM kooperieren und hoffe, dass er andere leere Gebäude nutzen könne.

Geplant ist, dass das Lageso den zweistöckigen Flachbau komplett nutzt. In das Hochhaus soll auf drei Etagen die Bundesanstalt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) einziehen, damit die Betroffenen künftig an einem Ort auch Asylanträge abgeben können. Die Unterbringungsleitstelle und die Ausländerbehörde könnten sich ebenfalls hier niederlassen, was aber noch geprüft wird.

Dass auf den restlichen Etagen Pritschen aufgestellt werden, also Asylsuchende an der Bundesallee auch eine Notunterkunft finden, ist nicht vorgesehen. Noch nicht.

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