Berlin - Was in der Polizeiwache an der Kreuzberger Friesenstraße aus den Wasserhähnen läuft, hat mit Trinkwasser nichts mehr zu tun. Es ist eine rostbraune, giftige Brühe, die die zulässigen Grenzwerte für Trinkwasser zum Teil weit überschreitet.

Die Blei-Konzentration ist 46 Mal so hoch wie erlaubt, der zulässige Eisenwert ist 195-fach überschritten, der für Mangan 6,8-fach. Auch Arsen, Nickel und Kupfer sind dort im Wasser nachgewiesen. Nur einer von vielen Fällen, die aus Sicht von Berliner Polizeibeamten zeigen, wie ernst es der Senat und vor allem ihr oberster Dienstherr, der Innensenator Andreas Geisel (SPD), mit der Fürsorgepflicht gegenüber der Polizei nehmen.

Einheitliche Rohre dringend nötig

Sowohl die Senatsinnenverwaltung als auch die Polizeiführung kennen den Fall – und zwar seit den ersten Wasserproben im November vorigen Jahres. Und sie haben versprochen, sofort Verbesserungen in Angriff zu nehmen. Allerdings verweisen sie auf die Berliner Immoblienmangement GmbH, kurz BIM, die für die Sanierungen von landeseigenen Dienstgebäuden zuständig ist.

„Wir erwarten von der BIM, dass das Problem jetzt zügig gelöst wird“, erklärte Geisels Sprecher Martin Pallgen am Sonntag. So war es allerdings auch schon im November. Der SPD-Innenpolitker Tom Schreiber fordert daher Sanktionen für die BIM, wenn sie ihre Aufträge nicht erfüllt.

Bei der Prioritätensetzung muss man zwingend die Polizisten in den Abschnitten miteinbeziehen, so der SPD-Abgeordnete. Doch die BIM denke eher in großen Projekten und nicht an die maroden Dienstgebäude. „Für die Friesenstraße muss jetzt ein Ultimatum gesetzt werden. Damit endlich klar ist, wann das Problem gelöst ist“, fordert Schreiber.

Die Arbeiten, die es im Polizeiabschnitt 52 an der Friesenstraße gegeben hatte, seien eher Flickschusterei gewesen, vermuten Mitarbeiter. Nach Informationen der Berliner Zeitung wurden zwar die Armaturen erneuert, aber das Ringleitungssystem sei nicht ausgetauscht worden. Die Wasserqualität sei allerdings langfristig nur gesichert, wenn einheitliche Rohren verbaut werden, erklärte der Sprecher der Berliner Wasserwerke, Stephan Natz. Für eine Stellungnahme war die BIM am Sonntag nicht zu erreichen.

Schimmel, kalter Wind und kaputte Heizungen

Die Friesenstraße stehe beispielhaft für viele Liegenschaften des Öffentlichen Dienstes, sagt Stephan Kelm, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei in Berlin. Auch in anderen Polizeiabschnitten warten Beamte darauf, dass man sich den maroden Zuständen in den Dienstgebäuden annimmt.

Im Abschnitt 42 in Schöneberg beispielsweise gab es eine Rattenplage im Keller. Die Toiletten liefen immer wieder über. In der Götzstraße in Tempelhof gäbe es nur eine einzige Dusche für 150 Mitarbeiter. In der Kreuzberger Friedrichstraße hatte sich vor wenigen Monaten weißer Schimmel auf den dort gelagerten Schlagstöcken und Schutzschildern ausgebreitet. In anderen Gebäuden taucht immer wieder Schimmel an Wänden auf, kalter Wind pfeift durch Fensterritzen oder Heizungen funktionieren nicht. Auch dort wurden Verbesserungen angekündigt. Gleichwohl fürchtet Kelm, dass auch hier die Lösungen warten lassen.

„An der Friesenstraße wurde von Anfang an kleingeredet“, sagt Stephan Kelm. Erst, als es nach massivem öffentlichem Druck nichts mehr schönzureden gab, „lenkte man endlich ein und versprach, sich der Sache entschlossen anzunehmen und die Ringleitung auszutauschen“, beklagt Kelm. Trotzdem ist das Trinkwasser in der Wache immer noch braun – und giftig.