Angehende Tierärzte haben bei einem Anatomie-Seminar an der Freien Universität Berlin ein Fohlen im Leib des toten Muttertiers entdeckt. Als die rund 40 Studenten der Veterinärmedizin die Shetlandpony-Stute sezierten, fiel ihnen das Jungtier entgegen – ein Vorfall, der eigentlich so nicht hätte passieren dürfen. Die Tötung trächtiger Tiere ist zwar weder im EU- noch im nationalen Recht eindeutig geregelt, gilt allerdings als unethisch und wird zu Forschungszwecken in der Regel nicht praktiziert.

"Fohlen jämmerlich erstickt"

Die Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling erhebt nun schwere Vorwürfe gegen den Fachbereich Veterinärmedizin der FU. „Die Trächtigkeit hätte leicht mit einer Routineuntersuchung oder einem Harntest festgestellt werden können“, sagte Hämmerling am Donnerstag, "Das Fohlen ist bei der Tötung des Muttertieres jämmerlich erstickt. So etwas darf in einer Hochschule nicht passieren." Sie habe Strafanzeige erstattet.

"Dieser Vorfall ist ein unbeabsichtigter Einzelfall, den alle Beteiligten des Instituts außerordentlich bedauern", heißt es von einer Sprecherin der FU dazu. Allerdings habe es sehr wohl eine tierärztliche Untersuchung des Pferdes gegeben, nachdem die Stute Mitte Mai einem Schlachttierhändler abgekauft worden war.

"Äußerlich keine Anzeichen einer Trächtigkeit zu erkennen"

Das Pferd habe sich in einem "sehr schlechten Ernährungs- und Allgemeinzustand" befunden und an deformierten Hufen gelitten, so die FU-Sprecherin. "Äußerlich waren keine Anzeichen einer Trächtigkeit zu erkennen. Da der Zustand des Tieres so schlecht war, gebot es das Tierschutzgesetz, das Pony von seinen Schmerzen zu befreien."

Erst beim Öffnen der Bauchhöhle während der anschließenden Sektion sei dann festgestellt worden, dass das Pferd tragend war. Der Fötus sei aber bereits bei der Einschläferung des Muttertieres über die Plazenta betäubt und somit schmerzlos getötet worden.

Veterinäramt prüft den Fall

Pro Jahr werden im Fachbereich Veterinärmedizin an der FU Berlin bis zu sechs Pferde seziert und präpariert. Sie stammen laut der Hochschulsprecherin vorzugsweise aus sogenannten Körperspenden, das heißt, es sind todkranke Tiere, die der Hochschule von ihren Besitzern zur Einschläferung übergeben werden.

Warum der Privatbesitzer ein trächtiges Tier schlachten lassen wollte und wie es zu dem extrem schlechten Allgemeinzustand des Ponys kommen konnte, prüfen nun die Amtstierärzte. Auch das zuständige Veterinäramt Steglitz-Zehlendorf untersucht den Vorfall.