Führungspositionen in Unternehmen: Viele Frauen an der Macht glauben an die Quote

Berlin - Der Anteil von Frauen in Führungspositionen in der Wirtschaft steigt zwar, die Mehrheit wird mit zwei Dritteln aber immer noch von Männern eingenommen. Was sind die Gründe dafür? Müssen Frauen, die in Führungspositionen kommen, alles besser können? Gibt es einen weiblichen Führungsstil, und welche Stärken oder auch Schwächen hat dieser? Welche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, um den Karriereknick bei Frauen zu vermeiden? Um diese Fragen ging es bei dem „Runden Tisch Entscheiderinnen“, zu dem der Berliner Verlag am Montagabend eingeladen hatte.

Aus eigener Erfahrung

Die Expertenrunde war mit hochrangigen Teilnehmerinnen besetzt. Frauen, die aus eigener Erfahrung sprechen. Vera Gäde-Butzlaff etwa, die seit 2007 Chefin der Berliner Stadtreinigungsbetriebe (BSR) ist. Eine Frauenquote hielt sie lange für unnötig, wollte sich nicht damit beschäftigen. Doch schließlich führte sie die Quote in ihrem eigenen Unternehmen ein. Die Wirtschaft orientiere sich bis heute am Bild des von allen häuslichen Pflichten freigestellten Mannes, sagte sie damals. Das sei nur mit Hilfe der Quote aufzubrechen. Denn nur wirksame Verpflichtungen würden Frauen einen gleichberechtigten Zugang zur Arbeitswelt ermöglichen. „Wenn es eine klare Ansage gibt, auch Frauen zu nehmen, finden sich auch genügend mit der entsprechenden Qualifikation.“

Für eine Quotenfrau hält sich Stefanie Salata nicht. Sie hat im Juli dieses Jahres den Vorsitz der Geschäftsführung bei der Berliner Bank übernommen. Damit ist sie eine der ganz wenigen Managerinnen, die es in das oberste Führungsgremium eines Geldinstituts geschafft haben. In kaum einer anderen Branche haben es Frauen so schwer, Karriere zu machen wie im Bankensektor. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sind zwar 60 Prozent der Berufseinsteigerinnen in diesem Sektor Frauen, in Spitzengremien lag ihre Zahl 2012 aber bei nicht einmal vier Prozent.

Claudia Große-Leege, die Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), ist ebenfalls der Meinung, dass eine Quote dafür sorgen kann, dass mehr Frauen in Führungspositionen kommen. Ihr Verband setzt sich für eine Frauenquote von 40 Prozent in den Aufsichtsräten ein. Genug qualifizierte Frauen gebe es.

Sigrid Nikutta, seit 2010 Vorstandsvorsitzende der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG), ist 2012 zur „Managerin des Jahres“ gekürt worden. „Frau Nikutta ist Strategin, durchsetzungsstark und einflussreich. Sie fördert Frauen wie Männer, um Talente vorurteilsfrei für die Berliner Verkehrsbetriebe zu erschließen. Sie gehört in der Wirtschaft zu den großartigsten Pionieren einer innovativen Managementkultur, die Beruf und Familie auszubalancieren versteht“, hieß es in der Begründung der Auswahlkommission.

Auch Sigrid Nikutta ist für die Quote. Sie sagte sogar einmal, dass sie nicht sicher sei, ob sie ohne die Diskussion um diese, auf ihren Vorstandsposten aufgestiegen sei. Wenn über Sigrid Nikutta berichtet wird, fehlt meist die Information nicht, dass sie vierfache Mutter ist. Bei einem Mann würde das wahrscheinlich nicht interessieren. Das ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Gleichstellung ein Zukunftsziel ist.

In der Beilage „Wirtschaft Berlin Spezial- Entscheiderinnen“, die am 28. November erscheint, lesen Sie einen ausführlichen Bericht über den „Runden Tisch Entscheiderinnen“.