Berlin - 2028 sollen in Berlin nicht weniger als fünf Neubaustrecken der Straßenbahn eröffnet werden – unter anderem zum Potsdamer Platz und nach Neukölln. In seiner Antwort auf eine Anfrage des Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg gab Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) die aktuellen Straßenbahnplanungen bekannt.

Auch wenn Beobachter daran zweifeln, weil der Netzausbau in Berlin bisher nur langsam vorangeht: 2028 soll das Jahr der Straßenbahn werden, wenn man den Angaben des Senats glaubt. Dann sollen die Trassen von der Turmstraße nach Jungfernheide, von Pankow-Heinersdorf nach Weißensee und im Blankenburger Süden ans Netz gehen – ein Jahr später als im vergangenen Jahr bekannt gegeben. Vorgesehen ist, die Strecke von der Warschauer Straße zum Hermannplatz ebenfalls 2028 zu eröffnen.

Das gilt auch für das prominenteste Projekt, die neue Verbindung von Alexanderplatz zum Kulturforum. Die 4,1 Kilometer lange Trasse soll über die Leipziger Straße und den Potsdamer Platz verlaufen. Die Vorplanung soll bis Ende Mai fertig werden, teilte Staatssekretär Streese mit.

Künftig nur noch ein Fahrstreifen pro Richtung auf der Leipziger Straße?

Auch im Fall der Strecke zum Kulturforum hatte es zuletzt geheißen, dass 2027 erstmals Bahnen fahren werden. 2016 war in der rot-rot-grünen Koalitionsvereinbarung sogar davon die Rede, dass der Bau spätestens in diesem Jahr beginnt. Doch der Bereich sei von einer „erheblichen städtebaulichen Komplexität“ gekennzeichnet, gab Streese zu bedenken. Wie berichtet soll die Leipziger Straße umgebaut werden. Weil erwartet wird, dass rund die Hälfte der Autofahrer auf die Straßenbahn umsteigen, sieht eine Variante nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung vor.

Noch in diesem Jahr soll auch die Grundlagenermittlung für die Weiterführung zum Rathaus Steglitz erfolgen, so der Staatssekretär. Die Anschluss-Trasse würde über die Potsdamer-, Haupt-, Rhein- und Schlossstraße verlaufen, wo ebenfalls Umbauten nötig sind und viele Parkplätze entfallen. Für die zweite Verlängerung, die zum Bahnhof Zoo führt, soll die Grundlagenermittlung spätestens im übernächsten Jahr starten. Laut Bedarfsplan sollen beide Verlängerungsstrecken 2030 in Betrieb gehen.

„Eine erbärmliche Bilanz“

Für die Neubaustrecke, die von Jungfernheide über die Urban Tech Republic auf dem ehemaligen Flughafen Tegel zum Kurt-Schumacher-Platz führen wird, ist die Inbetriebnahme „ab 2028“ vorgesehen, so Streese weiter. „Ab 2030“ soll die Trasse von Johannisthal zur Johannisthaler Chaussee ans Netz gehen, so Streese.

Der Nahverkehrsplan gebe ein „sehr ambitioniertes Programm“ vor, teilte er mit. Stadtplanerische Fragen hätten Planungen verzögert. Immerhin: Die personellen Engpässe konnten laut Senat beseitigt werden. Im Juni werden alle 16 Stellen in der Straßenbahnplanung besetzt sein.

Zu dem Terminplan twitterte Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB: „Ich erlaube mir skeptisch zu sein.“ Matthias Gibtner, der ebenfalls bei der Berliner Fahrgastlobby aktiv ist, schrieb der Berliner Zeitung: Viele von denen, die sich schon bald nach der deutschen Einheit für die Wiedereinführung der Straßenbahn im Westteil der Stadt engagiert haben, werden das gar nicht mehr erleben. 2028 sind 38 Jahre, in denen dann vielleicht(!!) 20 Kilometer geschafft sein werden. Was für eine erbärmliche Bilanz, selbst wenn es eintritt. Deutschland kriegt nicht nur beim Impfen nichts auf die Reihe.“

„Wir müssen uns eingestehen, dass weder Tram noch U-Bahn einen nennenswerten Beitrag zum Klimaziel 2030 leisten werden. Daher: Weiterbauen und parallel eine Bazooka mit skalierbaren Mobilitätsprojekten: E-Bus-Linien, Parkraummanagement, Tempo30, Pop-Up-Radwege, und -Kiezblocks“, so ein Tweet vom Radnetzwerk Pankow.