Berlin- Von allem etwas. Oder: Wie es Euch gefällt. So könnte man zusammenfassen, was die neue rot-grün-rote Koalition in Berlin zur Mobilität zusammengetragen hat. Die drei Koalitionäre haben sich mit vielen Wünschen durchgesetzt. Aber ein einheitliches Bild lässt sich nicht erkennen. Und schon gar nicht ein Gleichklang mit Städten wie Paris oder Oslo, in denen die Verkehrswende beherzter vorangetrieben wird.

Wünsch Dir was! Die große Koalition der Ost-Berliner Gondelbahnfreunde bekommt ihren Willen: Die Seilbahn zu den Gärten der Welt soll ins Nahverkehrssystem integriert werden, beschloss die Koalition. Ziel ist, dass sie künftig zum BVG-Tarif genutzt werden darf, was höhere Subventionen vom Land erfordert. Auch die Fans des Straßenbauvorhabens Tangentialverbindung Ost, das ebenfalls den Osten der Stadt betrifft und von allen drei Parteien befürwortet wird, können sich freuen. Die Vorbereitungen für den Lückenschluss zwischen Marzahn und Köpenick sollen beschleunigt werden.

Die SPD wiederum setzte sich gegen manche Grüne mit ihrer Forderung durch, den Ausbau des U-Bahn-Netzes voranzutreiben. Damit beim Bund Fördergelder beantragt werden können, sollen für fünf Neubauprojekte Planungen und Nutzen-Kosten-Untersuchungen begonnen werden. Ausnahmslos geht es um Strecken am Stadtrand: von Pankow nach Pankow Kirche (Linie U2), von der Krumme Lanke zum Mexikoplatz (U3), von Rudow zum Flughafen BER, vom Rathaus Spandau nach Heerstraße Nord (beide U7) sowie von Wittenau ins Märkische Viertel (U8).

Zusätzliche Planungskapazitäten sollen geschaffen werden, unterstreicht die Linke. Die werden auch dringend gebraucht, denn Erweiterungen der Berliner Straßenbahn stehen ebenfalls in der Koalitionsvereinbarung. So sollen die Strecken Hauptbahnhof–Turmstraße und zum Ostkreuz während dieser Legislaturperiode fertig werden. Für die Projekte Alexanderplatz–Potsdamer Platz, Turmstraße–Jungfernheide, Warschauer Straße–Hermannplatz, Pankow–Heinersdorf–Weißensee, Jungfernheide–Urban Tech Republic–Schuhmacher Quartier sowie die Vorhaben in Mahlsdorf und im Blankenburger Süden sollen die Planfeststellungsverfahren eingeleitet werden.

Auch Lieblingsthemen der Grünen sollen im Vertrag stehen. Die Rede ist von einer „Verkehrswende von unten“ – mit Kiezblocks, die Durchgangsverkehr unterbinden, temporären Spielstraßen und verkehrsberuhigten Bereichen, entsiegelten „Klimastraßen“ oder „Schulstraßen“, die zu bestimmten Tageszeiten für Autos tabu sind. Große neue Mobilitätswendeprojekte sind nicht dabei. Doch die Verwaltung wird schon mit der Umsetzung der jetzigen langen Wunschliste ihre liebe Mühe haben.