Berlin - Wer im vergangenen Jahr 1000 Euro Miete für eine Wohnung in Berlin bezahlen wollte, bekam dafür 51 Quadratmeter weniger Wohnfläche als noch zehn Jahre zuvor: 69 Quadratmeter statt 120 Quadratmeter. Das geht aus einer Analyse des Onlineportals Immowelt hervor, die am Donnerstag präsentiert wurde. Während sich eine vierköpfige Familie für 1000 Euro kalt vor zehn Jahren noch mit ausreichend Wohnraum versorgen konnte, bekommt sie heute für das gleiche Budget häufig nur noch zwei Zimmer. Berlin nimmt mit einem Minus von 43 Prozent beim Rückgang der Wohnfläche für 1000 Euro den Spitzenplatz unter 36 untersuchten Städten ein. In allen Städten gibt es allerdings heute für das gleiche Geld weniger Wohnfläche.

In München haben die starken Preisanstiege dazu geführt, dass Mieter 34 Quadratmeter einbüßen – das entspricht einem Minus von 40 Prozent. Vor zehn Jahren haben 1000 Euro in der bayerischen Landeshauptstadt noch gereicht, um eine 85 Quadratmeter große Wohnung anzumieten. Heute sind für das Budget nur noch 51 Quadratmeter zu finden. Also nur noch eine kleine Zweizimmerwohnung. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in Frankfurt am Main. Dort reichen 1000 Euro nur noch, um eine 65 Quadratmeter große Wohnung zu bekommen. Vor zehn Jahren war für den gleichen Betrag noch eine Bleibe mit 92 Quadratmetern zu haben. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass man sich vor zehn Jahren für 1000 Euro generell noch mehr leisten konnte als heute. Baupreise und Grundstückspreise sind seitdem stark gestiegen, was sich in höheren Mieten bemerkbar macht.

Steigende Mieten führen dazu, dass weniger Menschen umziehen

In Hamburg bekommen die Wohnungssuchenden für 1000 Euro Kaltmiete 23 Prozent weniger Wohnfläche als vor zehn Jahren: 74 statt 96 Quadratmeter. In Leipzig hat sich die Wohnfläche wie in Berlin um 51 Quadratmeter verringert. Allerdings von einem höheren Niveau: von 155 Quadratmetern auf 104 Quadratmeter. Eine nahezu identische Entwicklung ist laut Immowelt in Dresden zu beobachten: In der sächsischen Landeshauptstadt bekommen Mieter für 1000 Euro Miete 47 Quadratmeter weniger als vor zehn Jahren – ein Minus von 33 Prozent. In den hessischen Städten Offenbach mit einem Minus von 35 Prozent und Kassel mit einem Minus von 28 Prozent müssen Mieter bei der Wohnfläche ebenfalls Abstriche machen, falls sie nicht das Budget erhöhen.

Der enorme Anstieg der Mieten hat laut Immowelt zur Folge, dass weniger umgezogen wird. Denn selbst ein Wechsel in eine kleinere Wohnung führt nicht zwangsläufig zu einer niedrigeren Miete. So bleiben gerade viele Ältere aufgrund mangelnder Anreize in ihren großen und vergleichsweise preiswerten Wohnungen – auch wenn sie den Platz eigentlich nicht mehr benötigen.

Immobilienmarkt in Berlin spaltet sich zunehmend auf

Berlin nimmt durch die Einführung des Mietendeckels im vergangenen Jahr laut der Analyse eine Sonderrolle ein. Seit Ankündigung des Gesetzes im Jahr 2019 spaltet sich danach der Markt zunehmend. Zum einen in sinkende Angebotsmieten für Wohnungen, die unter den Mietendeckel fallen. Zum anderen in stark steigende Mieten in Neubauten, für die der Mietendeckel nicht gilt.

Berechnungsgrundlage für die Analyse waren Wohnungsinserate aus den Jahren 2010 und 2020, die bei Immowelt aufgegeben wurden. Die Nettokaltmiete, also die Miete ohne jegliche Betriebskosten, lag dabei zwischen 900 und 1100 Euro.