Berlin präsentiere sich immer als bunt und weltoffen, sagt Bianca Klose. „Aber wenn es um Protest gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit geht, dann zeigt sich die Stadt nicht gerade vielfältig.“ Zu Kundgebungen gegen Neonazis kämen fast immer die gleichen Leute, sagt Klose. Sie leitet die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus, die seit 2001 existiert. Diese Arbeit ist unter anderem bereits mit dem Verdienstorden des Landes Berlin ausgezeichnet worden. Bianca Klose wünscht sich, dass die Diversität der Stadt auch auf der Straße zu sehen ist, wenn es gegen Rechtsextremismus geht.

Dabei soll die neue Smartphone-App „Gegen Nazis“ helfen, die gestern vorgestellt wurde. Ab sofort soll diese Anwendung über Aktionen gegen Rechtsextremismus informieren – sowohl über Routen und Kundgebungen von Rechtsextremen als auch über Gegenkundgebungen und Protestaktionen.

Angeboten wird die App vom Netzwerk „Berlin gegen Nazis“, das sich im März dieses Jahres gegründet hat, um „Protest gegen rechtsextreme Gruppierungen, Parteien und Einzelpersonen in die Gesellschaft zu tragen“, wie es in der Eigendarstellung heißt. Finanziert wird das Netzwerk von der Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen. Mit 47.000 Euro pro Jahr wird neben Entwicklungen wie der App und der technischen Umsetzung aber gerade mal eine halbe Stelle finanziert, die die App künftig pflegen soll.

App soll Orientierung erleichtern

Daneben setzt das Netzwerk auf die Unterstützung seiner mehr als 20 Partner, zu denen Verbände und Unternehmen wie die Club Commission, Verdi, die BSR, der Türkische Bund und Vattenfall gehören. Auch die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus will den Machern der App zur Seite stehen.

Und wie funktioniert diese App? Sobald die Polizei die Route eines Neonaziaufmarsches bekanntgibt, soll sie mit interaktiver Karte veröffentlicht werden. Auch die Gegenkundgebungen werden mit Route und Bildern veröffentlicht. „Damit jeder hingehen kann. Oder auch andere Protestformen findet, wie ein Transparent am Balkon“, sagt Klose.

Mobilisiert werden soll jedoch nicht wahllos. So seien etwa Anwohner- und Informationsveranstaltungen zu Flüchtlingsheimen nicht das Ziel. „Wir treten auf den Plan, wenn das Grundrecht auf Asyl in Frage gestellt wird oder wenn Demonstranten fordern, dass ein Flüchtlingsheim gar nicht erst entstehen darf“, sagt Klose. Im Beispiel: Die Demo in Marzahn am Montagabend, bei der rund 800 Anwohner und Neonazis gegen ein geplantes Containerdorf für Flüchtlinge auf die Straße gingen, würde in der App auftauchen. Die Informationsveranstaltung des Bezirks Treptow-Köpenick zu einer Flüchtlingsunterkunft im Allende-Viertel am selben Abend aber nicht.

Die Nachrichten gibt es nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch und Türkisch. Nutzer können sich per Push-Meldungen benachrichtigen lassen, etwa wenn sich Routen von Protestmärschen ändern. Die Anwendung kann ab sofort kostenlos im Google Play Store und ab Freitag auch im App-Store heruntergeladen werden. Auch die Internetseite des Netzwerks (berlin-gegen-nazis.de) informiert über Aktionen gegen Rechtsextremismus. Träger des Projekts ist der Verein für Demokratische Kultur.