Für sensible Poeten: Die Rückkehr der Schreibmaschine

Berlin - Eine seiner Lieblingsmaschinen ist die Prinzess 300 von Keller & Knappich. Es ist eine kleine Reiseschreibmaschine aus den Sechzigern mit elfenbeinfarbenen Tasten und einer goldenen Krone auf dem Gehäuse. „Eine schöne Maschine“, sagt Bernd Moser, und so, wie er es sagt, klingt es schon etwas verliebt.

Der 74-Jährige steht in seinem Laden in der Gneisenaustraße. Ende der Fünfzigerjahre hat er hier seine Lehre begonnen und seitdem nirgendwo anders gearbeitet. „Damals fuhr da draußen noch die Straßenbahn durch Kreuzberg“, sagt er.

Die Bahngleise sind längst verschwunden. In den umliegenden Cafés sitzen junge Leute vor Laptops, Passanten starren auf Smartphones, aber im Schaufenster von Mosers Büromaschinen-Laden stehen noch immer Schreibmaschinen dicht an dicht – schwarze und graue, mechanische und elektrische. Moser, ein kleiner grauhaariger Mann mit einem frechen Walross-Bart, ist seit fast 60 Jahren Büromaschinenmechaniker.

Vor einem Vierteljahrhundert hat er den Laden von seinem Chef übernommen. „Hans-Joachim Arndt Büromaschinen“ steht aber noch immer auf dem Firmenschild über der großen Fensterfront, obwohl der längst nicht mehr lebt. Moser ist der Hinweis auf seinen ehemaligen Chef wichtig: „Alles, was ich über Schreibmaschinen weiß, hat er mir beigebracht.“

Macht der Gewohnheit

Während sich ein Mitarbeiter um die Reparatur von Druckern und Bürogroßgeräten kümmert, widmet sich Bernd Moser seinen Schreibmaschinen und hat damit gut zu tun. Er repariert und verkauft. Um die 200 Euro kostet eine Maschine in dem Kreuzberger Laden. „Generalüberholt und wie neu“, sagt er. Mindestens zehn Maschinen gingen im Monat über die Ladentheke. Seine Kunden sind junge Leute ebenso wie Herrschaften in Mosers Alter.

Die Gründe, weshalb jemand selbst im Jahr 35 nach Programmierung von Microsoft Word noch immer Wörter mit einer mechanischen Maschine ins Papier hackt, sind vielfältig. Laut Moser lehnten es die Älteren ab, den Umgang mit einem PC zu erlernen. Junge Leute indes fänden das Klappern cool und meinten, einen Brief schneller geschrieben zu haben als der Computer hochgefahren ist.

Zudem weiß Moser von sensiblen Poeten zu berichten, die das Rauschen des Computer-Lüfters stört. Andere trauten Computern grundsätzlich nicht. Auch die US-Botschaft sowie die Großbritanniens habe sich schon bei Moser mit Schreibmaschinen versorgt, sagt er. Die Bundesregierung allerdings noch nie.

Der Bedarf ist vorhanden

Mosers Leidenschaft ist jedoch die Reparatur alter Maschinen. Sie solle wieder so schreiben wie früher, ist ein Satz, den der Mechaniker regelmäßig hört. Für eine Aufarbeitung nimmt er eine Maschine komplett auseinander, säubert, arbeitet nach und montiert sie wieder. „Ich bin noch ein Handwerker von anno pipps und mache es so, wie es früher gemacht wurde.“ Meist berechnet er drei Arbeitsstunden. Aber oft zahlt er drauf, weil eine Maschine dann doch mehr Zuwendung braucht. „Egal. Ich liebe diese Maschinen“, sagt er.

Obwohl ihm sein Arzt gerade geraten hat, etwas kürzer zu treten, denkt Moser keineswegs ans Aufhören. Der 74-Jährige will sich aber an den Rat halten und öffnet seinen Laden neuerdings nur noch wochentags „von elf bis vier“. Wenn es seine Gesundheit zulässt, will er das noch ein paar Jahre machen.

Bedarf ist offenbar vorhanden. Wie bei Ebay zu erfahren war, wird über das Portal allein in Deutschland im Schnitt alle sechs Minuten eine Suchanfrage mit dem Stichwort Schreibmaschine gestartet. Der Durchschnittspreis liegt bei 26 Euro. Moser könnte sie aufarbeiten. Schreiben würde er damit nicht. Dafür nutzt er den Computer. „Ist praktischer“, sagt er.