Fußgänger in Angst: „Radfahrer glauben, dass sie alle Rechte haben“

In seiner Jugend ist er viel Rad gefahren. Heute ist er vor allem zu Fuß unterwegs – und auf Radfahrer schlecht zu sprechen. „In der verkehrspolitischen Diskussion und in den Medien geht es vor allem um Radfahrer. Über Fußgänger spricht kaum noch jemand“, sagt Dietmar Scheffler (75) aus Charlottenburg. Das müsse sich endlich ändern.

„Radfahrer glauben, dass sie alle Rechte haben. Doch ich möchte, dass auch sie sich an die Regeln halten“, so der frühere Journalist. Er ärgert sich vor allem über das Radfahren auf dem Gehweg. „Kürzlich war ich auf der Hardenbergstraße in Charlottenburg unterwegs. Dort wird gerade gebaut – und schon glauben die Radfahrer, dass sie über die Gehwege rasen dürfen.“

Empfindliche Hintern

Auf Straßen mit Kopfsteinpflaster sei es genauso, auch dort werde auf den Bürgersteigen gefahren. „Berliner Radfahrer von heute haben offenbar empfindliche Hintern. Als ich noch mit dem Fahrrad unterwegs war, blieb ich auch auf Kopfsteinpflasterstraßen auf der Fahrbahn. Wenn ich Radfahrer darauf anspreche, dass die Gehwege nicht für sie sind, ernte ich meist Ärger. ,Halt’ doch die Schnauze’ ist oft noch eine freundliche Reaktion.“

Egal ob Männer, Frauen, Junge, Alte – Regelverstöße scheinen völlig normal zu sein, bemängelt der Rentner. Es gebe Radfahrer, die sagen: „Ach, das stört doch keinen!“ „Doch bei mir im Haus wohnen ältere Herrschaften, die sich kaum noch nach draußen trauen“, erzählt Scheffler. „Kürzlich sah ich einen Hund ohne Maulkorb und Leine über den Gehweg rennen, hinter ihm fuhr ein Mann auf dem Rad. ,Der kann doch loofen, wo er will’, sagte er. Ein Typ wie ein Schläger. Da traut man sich nicht mehr, etwas zu sagen.“

Keine Disziplin

Scheffler kennt Europa gut. „Ich finde, dass Berlin die undisziplinierteste Stadt ist“, meint der Charlottenburger. „Das sieht man auch am Müll auf den Straßen. Es muss mehr Rücksicht genommen werden.“

Er liest viel von Berliner Radfahrern, die Verbesserungen fordern. „Ich habe Verständnis dafür, die Radfahrer sollen ihre Wege bekommen. Doch heißt das, dass Fußgänger künftig noch weniger Rechte haben? Fußgänger, alte Menschen, Rollstuhlfahrer, Kinder sind im Straßenverkehr die Schwächsten.“ Bei allen Baumaßnahmen müsste zuerst an sie gedacht werden. „Ampelphasen müssen verändert werden, es kann immer nicht nur darum gehen, dass der Verkehr fließt. Schließlich ist jeder von uns Fußgänger.“