Gail-S.-Halvorsen-Sekundarschule: Schüler gratulieren Candy-Bomber zum 97. Geburtstag

Die Schüler der Gail-S.-Halvorsen-Sekundarschule haben gerade viele Briefe in die USA geschickt. Geschrieben auf buntem Papier oder gar mit Herzchen geschmückt und gerichtet an den Namensgeber der Schule. „Wir wollen, dass Du noch einmal unsere Schule besuchst“, steht da auf Schul-Englisch. Oder: „Wir wünschen Dir viel Gesundheit und noch ein langes Leben.“ Gail S. Halvorsen begeht nämlich an diesem Dienstag in einem Altersheim im US-Bundesstaat Arizona seinen 97. Geburtstag.

Bekanntgeworden ist Halvorsen während der Blockade West-Berlins in den Jahren 1948/49. Weil die Sowjetunion und ihre Verbündeten Straßen und Wasserwege gesperrt hatten, erfolgte die Versorgung West-Berlins aus der Luft. Meist durch amerikanische und britische Flugzeuge, die auf dem Flugplatz Tempelhof landeten. Halvorsen war der erste Pilot, der seinerzeit kurz vor der Landung Süßigkeiten abwarf, befestigt an Mini-Fallschirmen.

23 Tonnen Süßigkeiten über Berlin abgeworfen

Die Kinder, die auf kleinen Trümmerbergen auf der Neuköllner Seite standen, freute das natürlich. Fortan galt Halvorsen, der Mormone aus dem US-Bundesstaat Utah, als Candy-Bomber. Also als Süßigkeitenbomber. Die Flugzeuge, schon bald auch „Rosinenbomber“ genannt, flogen ganz eng getaktet nach Tempelhof ein. Als Erkennungszeichen ließ Pilot Halvorsen deshalb beim Landeanflug die Flügel seines Flugzeuges wackeln. Der Spitzname „Onkel Wackelflügel“ entstand, „Uncle Wiggly Wings“.

Das Ganze war natürlich für die USA und die Westalliierten ein schöner Propagandaerfolg im heraufziehenden Kalten Krieg. Eine PR-Agentur hätte sich das nicht besser ausdenken können. Am Ende der Luftbrücke hatten insgesamt 25 Flugzeugbesatzungen etwa 23 Tonnen Süßigkeiten über Berlin abgeworfen. Heutzutage würden Zahnmediziner davor warnen. Halvorsen wurde später in den 70er-Jahren sogar zeitweise Kommandant des Flughafens Tempelhof. Jene Schule in Dahlem erhielt vor vier Jahren den Namen Gail-S.-Halvorsen.

"Als wäre ich erst 60 geworden"

Das hatten Elternvertreter durchgesetzt. Nach einer nicht ganz leichten Schulfusion sollte das nach Neustart klingen. Und Halvorsen kam sogar zur Einweihungsfeier. Auch im vergangenen Jahr besuchte er die Schule erneut. Und erhielt ein Basketball-Trikot mit seinem Namen drauf. „Das war ein schöner Moment, die Schüler mochten ihn“, sagt Schulleiterin Kathrin Röschel.

Im Frühjahr dann besuchte eine Schülergruppe mit Unterstützung der Stiftung Luftbrücke die USA. Da war Halvorsen schon etwas geschwächt, so dass er ein Treffen mit den Schülern leider absagen musste. Es gibt aber einen regen Schriftverkehr. Auch für die Geburtstagswünsche hat er sich gleich bedankt. „Ihr habt es aussehen lassen, als wäre ich erst 60 geworben“, schrieb er an die Schule.

Ausnahme Nelson Mandela

Dort kooperiert man auch eng mit dem nahegelegenen Alliiertenmuseum. Am 17. November werden einige ausgewählte Siebtklässler im Museum zum Vorlesetag einigen Grundschulklassen aus dem illustrierten Büchlein „Mercedes und der Schokoladenpilot“ vorlesen.

Auch sonst erinnert an der Schule noch einiges an die Zeit, als die USA noch eine der vier Berliner Kontrollmächte waren. Die neu eingeschulten Siebtklässler erhalten von den Achtklässlern sogenannte Care-Pakete mit Stiften, Heften und weiterem Inhalt. In Anlehnung an die Care-Pakete mit Lebensmitteln, die die US-Organisation nach dem Krieg an Westdeutsche schickte.

Ungewöhnlich ist es auch, dass eine Schule nach einer lebenden Persönlichkeit benannt wird. Das passierte neben Halvorsen in den vergangenen Jahrzehnten sonst nur einmal noch. Die staatliche Nelson-Mandela-Schule in Wilmersdorf wurde ebenfalls noch zu Lebzeiten des südafrikanischen Menschenrechtlers und Präsidenten nach Mandela benannt.