Berlin - Fünfzehn Jahre ist es her, dass das Warenhaus Galeria Kaufhof am Alexanderplatz nach einem Komplettumbau wiedereröffnet wurde. Nun soll der Kaufhaus-Komplex für die nächsten Jahrzehnte fit gemacht werden. Dafür wird das bestehende Haus vergrößert und durch ein Hochhaus erweitert. Erst an diesem Dienstag hatte das verantwortliche Bezirksamt Mitte den dafür nötigen Bauvorbescheid erteilt. Wie der Immobilienentwickler Signa Real Estate nun mitteilte, sollen im Sommer die Bauarbeiten beginnen.

Den Planungen zufolge soll die Galeria-Filiale in Richtung Karl-Liebknecht-Straße um fast 20 Meter erweitert werden und dort einen weiteren Eingang erhalten. An der Ecke Dircksen-/Karl-Liebknecht-Straße wird dann ein Hochhaus gewissermaßen in das Kaufhaus eingeklickt, was auch einen Teilabriss des Hauses nötig macht. Der Turm soll 134 Meter in die Höhe ragen und überwiegend Büroflächen bieten. Der Bauherr hat dem Land Berlin nach eigenen Angaben jedoch zugesichert, etwa 1000 Quadratmeter „mietpreisreduzierte und mietfreie Flächen für gemeinwohlorientierte Nutzungen zur Verfügung zu stellen“. Insgesamt soll der Turm 48.000 Quadratmeter sogenannte Bruttogeschossfläche bieten.

Entworfen wurde der neue Kaufhaus-Komplex von dem Berliner Architekturbüro Kleihues+Kleihues, das bereits den 2006 abgeschlossenen Komplettumbau des Kaufhauses verantwortet hatte. Eigentlich sollte das Hochhaus etwa 15 Meter höher werden, wurde aber im Planungsverfahren gestutzt und bleibt somit exakt auf dem Höhenniveau des benachbarten Park-Inn-Hotels, das samt Aufbauten ebenfalls auf 134 Meter kommt. Außerdem ist für das Warenhausdach eine großzügige Terrasse vorgesehen, die Besuchern auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten zur Verfügung stehen soll.

Foto: Signa
134 Meter soll der Turm in die Höhe ragen.

Obwohl die Bauarbeiten bis in das Kaufhaus hineinreichen werden, soll dort der Betrieb weitergeführt werden. Der ebenerdig gelegene Lebensmittelbereich wird jedoch geschlossen, weil die dort nötige Kühltechnik einen vorübergehenden Umzug im Haus unverhältnismäßig machte. Somit werden in dem wegen seines großzügigen Sortiments und kundiger Beratung beliebten Lebensmittel-Markt bereits am Abend des 3. April die Lichter für Jahre ausgehen. Die insgesamt etwa 60 Mitarbeiter sind bereits informiert und sollen auf andere Filialen in der Stadt verteilt werden. Aber auch künftig soll es in der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz eine Lebensmittelabteilung geben. Laut Signa ist in den Obergeschossen ein „innovatives und hochwertiges Food Culture Market Konzept“ geplant, das Genuss, Kultur und Einkauf verbinden werde. Ende 2025 soll der Komplex samt Hochhaus fertig sein.

Steht das tot geglaubte Kaufhaus also vor einem großen Comeback? Der Neubau der Galeria Kaufhof am Alexanderplatz ist vor allem Teil einer im August vergangenen Jahres geschlossenen und umstrittenen Vereinbarung zwischen dem rot-rot-grünen Senat und dem Signa-Konzern, dem einerseits die angeschlagenen Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof gehört und der zugleich Immobilienentwickler ist. In der Vereinbarung hatte der Senat dem Konzern seinerzeit Unterstützung bei großen Bauprojekten auf Warenhausflächen am Alexanderplatz, am Hermannplatz und am Kurfürstendamm zugesagt. Im Gegenzug sicherte Signa damals den Erhalt mehrerer von der Schließung bedrohter Kaufhäuser in der Stadt zu.

Tatsächlich hatte Galeria Karstadt Kaufhof im vorigen Sommer geplant, sieben Kaufhäuser in Berlin zu schließen. Das war jede zweite Filiale. Am Ende standen nur noch Karstadt in den Gropiuspassagen, Karstadt Sport am Kudamm sowie Galeria Kaufhof in Hohenschönhausen auf der Schließungsliste. Eine geplante Filiale in Tegel wurde nie eröffnet.

Nach eigenem Verständnis hat Signa nun geliefert. „Die von uns gegebenen Zusagen zu unseren städtebaulichen Investitionen und zum Erhalt von vielen schließungsbedrohten Standorten von Galeria Karstadt Kaufhof in Berlin wurden bis zum heutigen Tag konsequent und mit erheblichen Investitionen lückenlos erfüllt“, sagt Timo Herzberg, Deutschlandchef der Immobiliensparte Signa Real Estate. Für die Projekte am Hermannplatz und am Kurfürstendamm erwarte man nun ebenso positive Signale des Senats. „Verlässlichkeit und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit haben bei uns hohen Stellenwert“, so der Immobilienmanager.