In der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof hat der Räumungsverkauf begonnen, Rabatte um bis zu 50 Prozent inklusive. „Die Zeit läuft, alles muss raus!“, werben Plakate an den Eingängen und in den drei Etagen. Denn in knapp fünf Monaten ist es soweit: Dann macht das einst modernste Warenhaus der DDR für immer dicht.

Rote Schilder mit Prozentzeichen verkünden überall im Haus den Anfang vom Ende. Süßigkeiten gibt es demnach für fünf Prozent billiger,  bis zu zehn Prozent sind es bei den Schreibwaren, Koffern  und beim Spielzeug. In der Modeabteilung gibt es die echten Schnäppchen: bis zu 50 Prozent auf Hosen, Blusen und Anzüge. „Die Preisnachlässe  werden   bis Ende Juni weiter zunehmen, wenn wir dann das Haus  am  Ostbahnhof für immer verlassen“, sagt Filial-Chefin Doreen Mädler-Nemchinov. 

Doch in die Schnäppchen-Jagd mischt sich bei vielen Kunden in diesem Fall auch  Wehmut. „Es ist einfach schade“, sagt zum Beispiel Sigrid Drews. „Als ich früher in Greifswald wohnte und nach Berlin fuhr, ging ich immer hier zum Ostbahnhof einkaufen. Hier gab es vieles, was  woanders in der DDR nicht im Angebot war“, erinnert sich die  72-Jährige.

Centrum Warenhaus eröffnete 1979

Damals hieß der Kaufhof noch Centrum Warenhaus. 1979 machte es als das modernste Kaufhaus der DDR auf – zehn Jahre nach dem Centrum Warenhaus am Alexanderplatz. Schweden bauten das Haus, die Glasmosaik-Steine für die bunte Fassade kamen aus Italien.  Wer in der DDR etwas haben wollte, fuhr mit dem Zug zum  Ostbahnhof und ging einkaufen. Hier gab es die begehrte „Bückware“: Bettwäsche, Kinderkleidung, japanische Radiorekorder, West-Jeans oder Amiga-Schallplatten mit West-Musik. 

Das Lob hört Filial-Chefin Mädler-Nemchinov bis heute gerne. „Einige der 90 Mitarbeiter sind schon seit  DDR-Zeiten dabei“, sagt die 37-Jährige. „Alle sind  traurig, dass nun eine Warenhaus-Ära nach fast 38 Jahren  zu Ende geht.“

Der Entschluss zur Schließung kam  vergangenen April.  Weil immer weniger Kunden kamen, beschloss der Kaufhof-Konzern die derzeit dreistöckige Verkaufsfläche zu verkleinern. Auf die  freigewordenen Flächen zogen Betreiber   einer Kartbahn und eines Bowling-Centers. Auch ein Ärztezentrum mit Allgemeinmedizinern, Orthopäden und Neurologen ließen sich im Gebäude  nieder.

Wie es mit diesen Nutzern weitergeht, ist noch nicht entschieden. Ob sie den Umbau des Warenhaus in ein Bürogebäude überdauern werden, ist jedoch zweifelhaft.  Immerhin wurden alle 90 Mitarbeiter wurden von anderen Berliner Kaufhof-Häusern übernommen.