Der Rückkehrer: Frank Kebekus versucht die Sanierung im zweiten Anlauf

Der Düsseldorfer Insolvenzanwalt wurde im neuen Schutzschirmverfahren von Galeria als Sachwalter eingesetzt. Er hatte bereits die Insolvenz 2020 begleitet.

Soll reten, was zu retten ist: Frank Kebekus
Soll reten, was zu retten ist: Frank Kebekusdpa/Oliver Berg

Als das Insolvenzverfahren des Warenhauskonzerns Galeria Karstadt Kaufhof im September 2020 beendet wurde, war mit großem Optimismus von Neuanfang die Rede. Bundesweit waren 40 Filialen geschlossen worden, etwa 4000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatten ihren Job verloren und Gläubiger auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichtet.

Damals hatte auch Frank Kebekus seinen letzten Arbeitstag bei dem Essener Kaufhausriesen. Fünf Monate zuvor hatte der Sanierungsprofi einen Rettungsplan f��r das Unternehmen aufgesetzt und das folgende Insolvenzverfahren begleitet. Nun ist er zurückgekehrt. Denn nachdem Galeria am Montag erneut einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung stellte, wurde Kebekus als Sachwalter bestellt. Als solcher soll er die Rettung beaufsichtigen, während die Unternehmensführung die Kontrolle behält. Wieder einmal soll er retten, was zu retten ist.

Der 58-Jährige ist Mitinhaber der auf Wirtschaftsrecht spezialisierten Düsseldorfer Anwaltskanzlei Kebekus et Zimmermann Rechtsanwälte mit langjähriger Erfahrung insbesondere im Insolvenz- und Restrukturierungsbereich. Kebekus, der 1988 sein erstes Staatsexamen an der Freien Universität Berlin gemacht hat, gilt als unbequemer Sanierer, der unbeirrbar alle Fakten prüft und sein Urteil fällt.

Nach spektakulären Fällen in seiner Karriere muss man nicht lange suchen. So hatte er vor knapp zehn Jahren den Suhrkamp-Verlag gerettet und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 2017 wurde Kebekus nach der Pleite der Berliner Fluggesellschaft Air Berlin als Generalbevollmächtigter eingesetzt. Er sollte das defizitäre Unternehmen sanieren, was bekanntermaßen misslang. Die Airline gibt es nicht mehr. 8000 Angestellte mussten seinerzeit entlassen werden.

Nun belegt auch die erneute Pleite des Warenhauskonzerns, dass Kebekus nicht nur erfolgreich war. Wird es also im zweiten Anlauf gelingen? In jedem Fall dürfte es von Vorteil sein, das Unternehmen sogar aus viel früheren Zeiten zu kennen. Denn nachdem der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor 2009 Insolvenz anmelden musste, hatte er das Immobilienkonsortium Highstreet vertreten und seinerzeit über Mietnachlässe verhandelt.

Vor allem aber kennt Kebekus das Galeria-Management, das er nun während der bevorstehenden Sanierung zu beaufsichtigen hat. Er wird sicher nicht vergessen haben, dass Galeria-Chef Miguel Müllenbach nach dem Ende der ersten Insolvenz vor zwei Jahren noch erklärte, er sei so zuversichtlich wie niemals zuvor. „Diese Krise hat uns stärker gemacht, denn wir haben anders als andere Unternehmen keine Schulden“, sagt Müllenbach. Und Kebekus weiß auch, dass nach dem seinerzeit angekündigten Umbau nicht viel passiert ist.