Berlin - Die Tage des Hauses an der Marzahner Promenade 13 scheinen gezählt: Das Gebäude, 1988 bis 1990 als Galerie für Marzahn gebaut, soll weg. So will es jedenfalls der Eigentümer, die städtische Wohnungsbaugesellschaft Degewo. Denn nachdem der Bezirk viele Jahre lang keine Miete mehr für die kommunale „Galerie M“ zahlte und lediglich Geld für die Betriebskosten überwies, waren Instandhaltungen unterblieben. Es kam zu Wasserschäden – im Dezember 2011 wurde das Haus geräumt, der Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb findet seit dem Frühjahr vergangenen Jahres in einem ehemaligen Laden an der Marzahner Promenade 46 statt.

Der eigentliche Galeriebau, einer von lediglich zwei Neubauten, die in der DDR für die Bildende Kunst errichtet wurden, soll abgerissen werden. Das hatten der Bezirk Marzahn-Hellersdorf und die Degewo schon verabredet. Dafür sollte ein neues Haus errichtet werden, mit zusätzlichen Büros für das benachbarte Bürgeramt. Auch die „Galerie M“ sollte dort wieder einziehen.

Flugblätter im Bezirksparlament

Doch inzwischen sind die Abriss-Gegner aktiv. Am Donnerstagabend wurden im Bezirksparlament Protest-Flugblätter verteilt. Kurt Dietmar Richter, Mitglied der Künstlervereinigung „die neue brücke“, die regelmäßig zu Konzerten und Veranstaltungen unter dem Motto „Bildende Kunst trifft Musik“ in die Galerie einlud, hat in einem offenen Brief einen „großen Kulturfrevel“ angeprangert. Auch die Landesarbeitsgemeinschaft Kultur der Linken fordert inzwischen ein neues Nachdenken: Das historische Galeriegebäude solle baulich gesichert und weiterhin kulturell genutzt werden.

Marzahn-Hellersdorfs Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) sagt, dass sich die „Galerie M“ am neuen Standort gut etabliert habe. Sie sagt aber auch, dass sich frühere Vorstellungen des Bezirkes zur Marzahner Promenade 13 zerschlagen haben – es wird dort wohl keine Räume für ein Bürgeramt geben. Witt sagt: „Wenn mein Ressort mehr Geld bekommt, ziehen wir auch wieder ins alte Galeriegebäude.“ Monatlich gibt es für die neue „Galerie M“ aus dem Bezirkshaushalt 1 200 Euro. Das reicht gerade für die Betriebskosten im früheren Ladengeschäft.

Die Degewo, der nicht nur das Galeriegebäude, sondern auch die Läden und die Wohnungen auf der 1,5 Kilometer langen Marzahner Promenade gehören, spricht von Wirtschaftlichkeit. Ein Neubau sei im Ergebnis günstiger als die Sanierung der alten Galerie, sagt Unternehmenssprecher Lutz Ackermann. Eine Entscheidung solle möglichst noch in diesem Jahr fallen. Zunächst aber treffen sich nächste Woche Vertreter des Unternehmens mit Kulturstadträtin Witt und dem für Immobilien verantwortlichen Stadtrat Stephan Richter (SPD). „Es gibt inzwischen ein deutliches Interesse, das Architekturerbe zu sichern“, sagt Witt. Geeignete Nutzer mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept stünden aber noch nicht bereit.

Architekt: befremdliches Handeln

Der Architekt Wolf Rüdiger Eisentraut, der mit seinem Team nicht nur das Gebäude der „Galerie M“ baute, sondern viele Häuser an der Promenade – wie die Hauptpost, das Kaufhaus und das Dienstleistungsgebäude, die alle bereits zugunsten des 2005 eröffneten futuristisch anmutenden ECE-Shoppingcenters Eastgate weichen mussten – spricht von einer „Torheit des Bezirks“. Es sei schlicht befremdlich, wie man mit einem solchen Gebäudebestand umgehe. „Es wird das gleiche Muster verfolgt wie beim Palast der Republik: Erst lässt man das Haus leerstehen und pflegt es nicht. So dass es vergammelt und alle sich dann mit dem Abriss abfinden.“ Dass ein Neubau wirtschaftlicher sei als eine Sanierung, ist für Eisentraut pure Zweckargumentation. 25 Jahre nach der Fertigstellung müssten das Dach und die Wärmedämmung erneuert werden, sagt er. „Alles andere hält noch 100 Jahre.“