Berlin - #image0

Ich habe mich verlaufen. Ich weiß gar nicht genau, wie es passiert ist, aber plötzlich war ich in Vietnam. Obwohl die Fahrt dorthin nur 20 Minuten gedauert hat. Vielleicht hätte ich es ahnen können, weil die Leute in der Tram plötzlich so anders aussahen, als wir das Lichtenberger Gewerbegebiet an der Herzbergstraße erreichten.

Ein gewaltiges Plakat mit großen und gelben Buchstaben hängt dort: „Dong Xuan Center“ steht darauf, so heißt der vietnamesische Markt in Ost-Berlin. Genau wie der größte und älteste Markt in Hanoi, der Hauptstadt von Vietnam. Im Dong Xuan Center arbeitet ein großer Teil der vietnamesischen Gemeinschaft Berlins und hier ist auch ihr Treffpunkt.

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In den Hallen: Supermärkte mit Obst- und Gemüse-Sorten, die ich noch nie zuvor gesehen habe; Nagelstudios, Elektroartikel, Friseure für drei Euro, Plastikblumen, Kleidung, Dekorationsartikel; Restaurants, eine Fahrschule, Handys, Spielzeug, Schuhe und Taschen, bunte Leuchtreklamen.

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Alles an einem Ort, im Kosmos Einkaufszentrum. Eine Welt für sich inmitten einer anderen Welt, mit ihrer eigenen Logik. Ich war total erstaunt. In „Asia-Town“ wird weder deutsch gesprochen, noch gibt es eine Bude, wo man Currywurst essen kann. Die Menschen bewahren ihre Kultur, ihre Gewohnheiten, und sie sind stolz auf das, was sie erreicht haben.

Beim Spaziergang durch die Hallen kam ich mit den Händlern ins Gespräch. Sie haben mir erklärt, wie wichtig die Unterstützung der Berliner war, um ihr Einkaufszentrum zu verwirklichen. „Viele sehen es als ein Projekt, das Arbeitsplätze schafft und den Bezirk stärkt“, sagte ein Besucher.

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Am Ende profitieren also beide Seiten davon: Die vietnamesische Gemeinschaft hat ihren eigenen Platz in der deutschen Gesellschaft, und Lichtenberg hat ein attraktives Einkaufsziel. Ich finde, „Asia-Town“ ist ein gutes Beispiel für interkulturellen Austausch - und zeigt, was entstehen kann, wenn zwei verschiedene Kulturen mit Mühe und Vertrauen zusammenarbeiten.

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Natalia Fabeni (30) ist Redakteurin bei der Tageszeitung La Nación in Buenos Aires. Im Rahmen eines Stipendiums des Internationalen Journalisten-Programmes (IJP) schreibt sie als Gastautorin für die Berliner Zeitung.