Die CDU Berlin befragt derzeit ihre Mitglieder, ob die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen ist. Wenig wohlmeinende Stimmen außerhalb der CDU meinen, es dürfe in der Sache nur eine, vermeintlich „moderne“ Meinung geben. Bei uns aber gibt es keine Einheitsmeinung. Wir denken und argumentieren frei. Und nur so können wir zum richtigen Ergebnis kommen. Ich spreche mich dafür aus, dass die Ehe Lebensgemeinschaft von Mann und Frau und damit „Keimzelle der Familie“ bleiben soll. Das möchte ich kurz begründen:

1.?Gleichgeschlechtliche Paare sind geschützt. Sie können wie Eheleute eine auf Liebe und Fürsorge gerichtete lebenslange Lebensgemeinschaft eingehen. Hierfür hat der Gesetzgeber die Eingetragene Lebenspartnerschaft geschaffen. Schon etwa 35.000 gleichgeschlechtliche Paare haben diesen Bund fürs Leben geschlossen.

2.?Die Eingetragene Lebenspartnerschaft ist der Ehe rechtlich gleichgestellt. Bestehende Ungleichbehandlungen sind in den letzten Jahren beseitigt worden. Manchmal musste das Bundesverfassungsgericht nachhelfen. Aber auch die Befürworter der Ehe für alle machen heute keine Diskriminierung mehr geltend.

3.?Das unterscheidet die Lage in Deutschland von der Lage in Irland oder in den USA. Dort ist die Ehe für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften geöffnet worden. Doch gab es dort vorher keine rechtliche Gleichstellung. Nur die Gesetze von 16 der 50 US-Bundesstaaten kannten überhaupt gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften. Und auf diese wurden die bundesrechtlichen Regelungen zur Ehe nicht angewandt. In Irland gab es wesentliche Unterschiede im Sorgerecht und bei mancher sozialen Absicherung gleichgeschlechtlicher Lebenspartner.

Anders als in Irland und den USA geht es in Deutschland also nicht darum, Ungleichbehandlungen zu beseitigen.

4.?Die Ehe ist als Lebensverbindung von Mann und Frau darauf gerichtet, eine Familie mit Kindern zu gründen. Sie ist „Keimzelle der Familie“. Nichts spricht dafür, dass sich dieser über Jahrhunderte entwickelte Ehebegriff in wenigen Jahren wesentlich gewandelt hat. Trotz vielfältiger Lebensformen leben 75?Prozent aller Kinder in Deutschland auch heute bei ihren verheirateten Eltern. Ehen mit Kindern sind also der gesetzliche Regelfall. In der Ehe liegt die bewährte Absicherung des Ehepartners, der sich um die Erziehung seiner Kinder kümmern und zu diesem Zweck seine berufliche Karriere unterbrechen möchte. Dieses Modell sichert so wie kein anderes den Fortbestand der Gesellschaft und verdient den besonderen Schutz des Staates.

5.?In der Erkenntnis des naturgegebenen Unterschieds, dass gleichgeschlechtliche Paare keine Kinder hervorbringen können, liegt weder eine Diskriminierung noch eine geringere Wertschätzung. Es handelt sich schlichtweg um etwas Unterschiedliches und nicht Gleiches. Und dieser Unterschied erlaubt die Beibehaltung der bestehenden Unterscheidung. Unterschiedliche Bezeichnungen tragen der Vielfalt der Lebensformen Rechnung. Man fördert die Vielfalt nicht, indem man Unterscheidungen von Unterschiedlichem unterbindet.

Wir wollen die vielfältigen Lebensformen in ihrer Unterschiedlichkeit respektieren. Eine davon ist und bleibt die Ehe von Mann und Frau als „Keimzelle der Familie“.

Burkard Dregger ist integrationspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Der Jurist gehört dem Abgeordnetenhaus seit dem Jahr 2011 an.