Berlin - „This town is coming like a ghost town, all the clubs are being closed down“ sangen The Specials im Jahr 1981. 2019 ist Clubsterben ein fester Begriff im Berliner Diskurs. Dass hier Clubs schließen müssen, liegt an strengen Auflagen und steigenden Ausgaben für diejenigen, die sie besitzen, und an fehlenden Auflagen und lockenden Einnahmen für diejenigen, die in Gebäude und Bebauung investieren.

Nicht selten wird vom „Ausverkauf der Stadt“ gesprochen. Dabei ist Berlin doch nur so attraktiv, weil hier ein Leben möglich ist, das unangepasst und frei sein kann und nicht von Konsum oder Gewinnen getrieben wird. Wenn man Querdenkende von hier verdrängt, dann verdrängt man alles, was diese Stadt ausmacht.

Auch als Wirtschaftsstandort kann Berlin nicht genug leisten, wenn es hier keine Kultur gibt. Schließlich sind Start-Ups und IT-Unternehmer nicht in der Hauptstadt, weil man hier besonders viel verdient, sondern weil diese Stadt lebendig ist und interessant.

Bestehende Freiräume müssen geschützt werden 

Die Clubkultur zieht die Menschen an: 22 Prozent des Tourismus kommen wegen der Clubs und lassen pro Jahr 1,48 Milliarden Euro hier. Noch ist Feiern hier günstiger als in Paris oder London. Aber wie lange noch? Wenn die kreativen Köpfe in Berlin nicht mehr leben und tanzen können, weil alles zu teuer ist, verlassen sie die Stadt und nehmen ihre geistreiche Energie mit. Einer der wichtigsten Standortfaktoren ist dabei eine zurückhaltende Bürokratie. Davon hat Berlin insbesondere in den 90er-Jahren profitiert.

Man muss diese hier bestehenden Freiräume schützen – die realen und die ideellen. Die Clubs, die Kreativität, den Austausch. Doch diese Räume verschwinden vermehrt. In den vergangenen zwölf Monaten wurden Clubs wie Bassy, Keller, Bar Babette, Farbfernseher oder Rosis geschlossen.

Zum Jahresende muss die Kulturstätte RummelsBucht in Lichtenberg schließen, weil der Eigentümer dort die Touristenattraktion „Coral World“ bauen möchte. Berlin fehlen aktuell mehr als 30.000 Quadratmeter Fläche für Clubs, Proberäume und Studios für Musikproduktionen.

Damit die Nachtlebenkultur überlebt, müssen also Lösungen her: Investitionen in die Subkulturen und Raumschaffung für den Club als Kommunikationsort.

Das 2013 gegründete Musicboard in Berlin ist hierbei eine einzigartige Förderinstitution, da sie ausschließlich den Popmusikbereich durch verschiedene Programme unterstützt.

Im Jahr 2018 stand dem Musicboard ein Budget von rund 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Insgesamt wurden 50 Projekte gefördert. Erst kürzlich hat das Musicboard gemeinsam mit dem Land Berlin treuhänderisch das Rockhaus in Lichtenberg übernommen und damit Proberäume für die nächsten 20 Jahre gesichert.

Auch Marken haben den Bedarf erkannt. Wir sind im Creative Board eines Markenprojekts, denn das bedeutet für uns auch Nachwuchsarbeit. Dass sich rund 70 Kollektive beworben haben, zeigt: Es gibt Bedarf für ein solches Förderprogramm.

Wir haben viel Hoffnung für diese Stadt, trotz der ganzen Entwicklungen. Schließlich reden wir hier von Berlin. Die Stadt, die sich auflehnt, unbequem und rebellisch bleibt.

Die NIGHT EMBASSY eröffnet ab 6. September 2019 in Kreuzberg, Falckensteinstr. 48, https://night-embassy.com