Hochhauspläne wecken starke Emotionen, sei es Ablehnung oder Begeisterung. Das gilt für ein Hochhaus im Stadtzentrum ganz besonders. Denn von Alters her verbinden wir mit dem weit sichtbaren Kirchturm und der Stadtsilhouette immer auch das Leben in dieser Stadt.

In den großen Städten ist die Stadtkrone heute zur Skyline geworden. Dabei haben Hochhäuser ihre besondere symbolische Bedeutung, weil mit ihnen wirtschaftliche Macht repräsentiert wird. Die großen Metropolen der Welt wetteifern mit ihren Hochhäusern und ihrer Skyline um ihre Stellung im global Business. In New York und Frankfurt, in Singapur, Dubai oder Sao Paulo wird das Hochhaus vor allem für Konzern-, Banken- oder Versicherungszentralen gebaut und ist Symbol für Kapitalmacht.

Früher stellten Moskau und Warschau dem ihre staatlichen Prunkhochhäuser gegenüber und Berlin die Stalinallee. Asien und Lateinamerika nutzen das Hochhaus auch als gewöhnliche Wohnsiedlungsform. Aber mit den Wohnhochhäusern verbindet sich nicht die Assoziation von Macht. Da geht die Skyline der Zentren in eine alltägliche Massenbauweise über, die eher soziale Fragen aufwirft.

Berlin hat mit Hochhäusern, die mehr Potenz vorgeben als da ist, einige schlechte Erfahrungen gemacht. Das Hochhaus im Kudammkarree steht seit Jahren leer, ebenso wie der Steglitzer Kreisel. Die großen Gebäude rund um den Alex aus der DDR-Zeit müssen um ihre Auslastung kämpfen. Denn das von der Teilung geprägte Berlin ist keine Wirtschaftsmetropole. Seit der Wende hat sich die Stadt zu einer kulturell, bürgerschaftlich und mittelständisch vitalen Hauptstadt entwickelt, die gerade in dieser Eigenheit die Menschen begeistert und anzieht.

Doch nun verschafft sich Berlins Hang zur Großspurigkeit wieder Geltung. Im Zuge des illusionären Metropolenrauschs der Vereinigung waren für den Alex zehn bis zu 150 Meter hohe Hochhäuser geplant worden und zwei bis zu 120 Meter hohe Türme für die City West. Jahrelang hatten diese Pläne eine stadtverträgliche Entwicklung der Zentren stark behindert. Seit dem Ausbruch der Finanzmarktkrise ist Berlin nun interessant geworden für die internationale Immobilienspekulation. Und anders als München, das streng darauf achtet, dass kein Hochhaus die Silhouette der Frauenkirche verschandelt, möchte Berlin nun endlich als Nachzügler mitspielen im Skyline-Wettbewerb der Metropolen.

So entstand das 118 Meter hohe Zoofenster mit dem Waldorf Astoria Hotel, das oft so leer wirkt, dass man sich ernste Sorgen machen muss. Die Büroetagen sind nicht vermietet, was kein Wunder ist bei 1,6 Millionen Quadratmeter leer stehender Büroflächen in Berlin. Neben dem Waldorf Astoria strebt seit 2011 das „Upper West“ auch auf 118 Meter Höhe, ebenfalls als Hotel und Bürogebäude geplant. Und nun, nach 25 Jahren Vereinigung, will auch der Alex wieder hoch hinaus mit Luxuswohnungen und noch einem Hotel.

Dass die Pläne von Frank Gehry für den Alex auch gestalterisch umstritten sind, liegt vor allem an den vorgegebenen unförmigen Proportionen. Hochhäuser sind attraktiv, wenn sie schlank sind und in ihrer Materialität im Himmel schwebend wirken. Ein Klotz von annähernd 40 mal 40 Metern wirkt aber dick und schwer statt schlank und grazil. Auch das geplante Steinmaterial für die Fassade lässt das Hochhaus schwer erscheinen. Naturstein steht für Bodenständigkeit, aber nicht für das Streben in die Leichtigkeit des Himmels. Der Gehry-Bau wirkt darum nicht wie ein schlankes Model, sondern wie eine mit Gold behängte Matrone im Pelz.

So wird sich Berlin ein Skyline-Image geben, das der Rolle und dem Charme der Stadt als Kultur- und Kreativmetropole gerade nicht entspricht.