Was denn nun? Gibt es jetzt ein neues Konzept für den Alexanderplatz, das die stadtweite Kritik an den zwanzig Jahre alten Hochhaus-Plänen endlich ernst nimmt? Oder erleben wir gerade eine Kollhoff-Renaissance? Frei nach dem Motto: Steht erst mal das eine Hochhaus, werden die anderen schon irgendwie folgen.

Schon die Entscheidung von Senat und US-Investor Hines für einen Wettbewerb im vergangenen Sommer löste Erstaunen aus. Sein Abschluss mit dem ersten Preis an den Architekten Frank O. Gehry für ein 150 Meter hohes Gebäude fachte die kritische Debatte jetzt zu Recht wieder an.

Zwar gilt auch für hier: Ein abgeschlossener Wettbewerb ist noch keine Entscheidung für den Bau. Und noch gibt es auch kein Baurecht. Doch dass ein einzelnes Projekt forciert und erst danach die Gesamtplanung geändert wird, ist nicht akzeptabel. Die Bürgerinnen und Bürger wollen nicht nur sagen dürfen, ob ihnen der Sieger-Entwurf gefällt oder nicht. Sie wollen sich eine Vorstellung über die Zukunft des gesamten Stadtplatzes machen können.

Politische Debatte ist blockiert

Deshalb muss der Senat das weitere Vorgehen endlich in die richtige Reihenfolge bringen. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher persönlich hatte einen neuen Umgang mit den Plänen für den Alexanderplatz angeregt. Weil für viele Projekte die Frist für Schadenersatz bei Veränderungen von Bebauungsplänen bereits abgelaufen sei, könne sich das Land Berlin jetzt überlegen, ob es eine Umplanung vornähme, die sich stärker an den bestehenden Gebäuden orientiere.

Wir haben Lüscher beim Wort genommen und vom Senat gefordert, die Planungen für den Alexanderplatz grundlegend zu überprüfen, die Anzahl der Hochhausstandorte zu reduzieren und die Bebauungspläne so zu ändern, dass eine am heutigen Bedarf sowie am erhaltenswerten Bestand orientierte Planung realisiert werden kann. Zwar sprechen auch SPD und CDU von Veränderungsbedarf, blockieren aber eine politische Debatte bis heute.

Auf Seite 2 lesen Sie, warum noch ein weiteres Hochhaus am Alexanderplatz gebaut werden könnte.