Berlin - Eine gute Geschichte macht noch kein gutes Restaurant aus, aber sie ist ein Start. Und die Geschichte des Kanaan ist richtig gut. So gut, dass sie Gäste und Journalisten einander immer wieder gern erzählen. Ein Israeli und ein Palästinenser betreiben gemeinsam ein Restaurant, und siehe da: Es funktioniert. Eine kleine, private Friedenslösung, Essen verbindet, ein tolles Zeichen. „A great, great deal, so good, so good“, wie Amerikas Brandherd-in-Chief twittern würde.

Auch ich finde die Geschichte des Israelis Oz Ben David und des Palästinensers Jalil Dabit sehr schön. Die beiden lernten sich vor ein paar Jahren in Berlin kennen. Der eine Vertreter für israelische Produkte, der andere Gastronom aus Ramla auf der Suche nach einem Geschäft in Berlin. Und weil sich die beiden sofort verstanden, beschlossen sie einfach, gemeinsam ein Restaurant zu eröffnen. Sein Debüt gab das Kanaan als Pop-up-Restaurant am Wochenende in der Kneipe Kohlenquelle. Abends nahm die Kneipe ihren Tresenbetrieb auf, wenn die Küche des Kanaans schloss. Weil sie damit so erfolgreich waren, eröffneten David und Dabit bald auch einen Tagesimbiss gegenüber der Kohlenquelle – in einem Bretterverschlag, den sie nach und nach ausbauten. Inzwischen ist daraus die Residenz des Kanaan geworden und eine recht gemütliche Holzhütte mit Plätzen für drinnen und draußen.

Hervorragendes Hummus

So herzerwärmend die Geschichte der zwei auch ist, interessiert mich, ehrlich gesagt,  natürlich auch und vor allem, ob man wegen des Essens über sie berichten muss. Und ja, das muss man! Allein schon wegen des hervorragenden Hummus. Kein Gericht der arabischen Küche ist verbreiteter als dieses. Leider wird auch keins so häufig verpatzt. Im Kanaan ist das einzige Problem mit dem Hummus, dass man sich mit der Entscheidung zwischen all den tollen Versionen und Kombinationen herumschlagen muss.

Hummus ist der wahre Kosmopolit im Nahen Osten. Die eine und beste Variante existiert einfach nicht, wissen die Inhaber: Daher gibt es ihn beispielsweise als Masabacha aus der levantinischen Küche, mit ganzen Kichererbsen und Knoblauch-Zitronensauce. Oder irakisch – als Sabich mit gebackener Aubergine und Mangosauce plus hart gekochtem Ei. Oder klassisch israelisch-palästinensisch, hier mit Sesamsauce, Olivenöl und Kräutern serviert.

Ich nehme letzteren, reich und samtig schmeckt er und kommt ohne Zitronensäure und Knoblauch aus. Schön auch der Kontrast zwischen den noch bissfesten Kichererbsen als Beigabe und seiner extrem fein pürierten Konsistenz. Es ist ohne Übertreibung einer der besten Hummus der Stadt. 

Noch nie gegessen hatte ich Malawach, ein mit Olivenöl getränktes Blätterteigbrot aus dem Jemen, das wie ein Pizzaboden belegt wird. In Israel sei das ein beliebtes Streetfood, sagt Ben Oz David, der ein traumhafter Gastgeber ist. Er hat das seltene Talent, überall gleichzeitig zu sein, gut gelaunt und nie gehetzt. Er nimmt die Bestellung am Küchentresen entgegen, hinter dem junges Personal aus den verschiedensten Ländern arbeitet, erklärt mir am Tisch, wie Schug schmeckt, ein jemenitisches Pesto, und bringt noch mal schnell einen Löffel, damit ich ihn zu meiner Blätterteig-Pizza probiere. Ich esse die Samatucha-Variante, wo einfach alles drauf kommt, was schmeckt: ein hartgekochtes Ei, gebackene Auberginen und Süßkartoffeln, über die holländischer Gouda und griechischer Fetakäse schmelzen und darunter eine orientalisch-scharf eingekochte Tomaten-Zwiebel-Paprika Sauce wartet.

„The Magic happens when you mix it“, erklärt Ben Oz David gern seinen Gästen. Das ist ein großer weiser Satz. Denn die Mischung hier im Kanaan ist, sowohl beim Essen als auch, was die Stimmung der so internationalen Mannschaft angeht, wirklich magisch. 

Kanaan Berlin, Kopenhagener Str. 17, geöffnet täglich 12-22 Uhr