Als ich das erste Mal vom Hakata in Kreuzberg erzählt bekam, einem imbissähnlichen und etwas schmuddeligen Japaner, in dem das Personal unfreundlich sei und angeblich nie lächelt, musste ich an meine Zeit in London denken.

Damals gab es in Soho ein Restaurant, das für seine Unverschämtheit berühmt war. Ein Gast, der nach Messer und Gabel fragte? Konnte gleich wieder gehen. Eine Gruppe, die den Tisch nicht teilen wollte? Sofort aufstehen. Und der Service, der einen nie anblickte, ignorierte Extrawünsche prinzipiell. Glück hatte, wer überhaupt bedient wurde.

Trotzdem war Londons unfreundlichster Chinese jeden Abend brechend voll und die 500 Plätze belegt. Denn so ein Besuch konnte unheimlich unterhaltsam sein, wenn man in der richtigen Stimmung war. Das masochistische Dinner hatte schlicht Kultstatus.

Ganz ähnlich erklärte ich mir den Erfolg des Hakata in Kreuzberg. Ich habe viele Freunde schimpfen hören über den mürrischen Sushi-Chef und die absurden Marotten des Personals, das im fast leeren Laden manche Gäste nicht bediente, weil sie Kinder dabei hatten.

Denn lange Zeit hing an der Eingangstür ein Zettel, auf dem geschrieben stand, wer alles nicht erwünscht ist: Gäste mit Kindern, parfümierte Kunden, Gruppen über vier Personen. Trotzdem gingen meine Freunde immer wieder hin, auch, weil das Sushi sehr gut sei.

Inzwischen ist der Zettel verschwunden. Bei meinem Besuch klebt an der Tür nur noch ein Sticker mit durchgekreuztem Kinderwagen. Und am Sushi-Tresen, der den unteren kleinen Raum fast ausfüllt, ist das Wort Eile fett durchgestrichen. Den, sagen wir mal so: sehr zurückhaltenden Sushi-Meister, der weder grüßt noch jemals hochsieht, gibt es immer noch – zum Glück, denn das Sushi schmeckt wirklich ausgezeichnet.

Außerdem würde ich nach meinen Erlebnissen behaupten, das Hakata droht seinen Status als unfreundliches Restaurant zu verlieren. Ich wurde abwechselnd von einem jungen Japaner und einer schon etwas älteren Japanerin bedient – beide lächelten mich dabei an.

Allerdings sollte man sich an die Regeln hatten. Auf keinen Fall darf man ungeduldig sein. Als ich schnell ein Wasser bestellen wollte, weil es im oberen Teil des kleinen Ladens im Sommer sehr warm wird, wies mich der junge Japaner freundlich, aber bestimmt auf Zettel und Kugelschreiber hin, die an jedem Tisch bereit liegen. Man muss seine Bestellung strikt nach Nummern notieren, auch wenn es nur ein Wasser ist. Und da ich schon mal dabei war, ging ich gleich die ganze Karte durch, die die gängigen Maki-, Inside-Out Rolls, Sashimi und Nigiri einzeln oder als Menü-Sets anbietet sowie ein paar typische Snacks, Suppen und Don-Gerichte, also die mit Reis.

Das Warten wert

Die Udon-Suppe mit Wakame-Algen, die gleichzeitig mit dem Sushi-Set Nummer 19 kommt und das auch erst nach etwa 40 Minuten, war das Warten definitiv wert. Die Dashi-Brühe aus Algen und Fischflocken schmeckt nach Fisch und Fleisch zugleich, ist süßlich und salzig, schmelzig im Mund und doch subtil und zart. Weißer Sesam, Frühlingslauch und geröstete Zwiebelchen unterstützen das Aroma, auch die Wakame-Algen, die ich sonst eher als Salat dazu bestelle, machen sich erstaunlich gut in so einer warmen Suppe, weil sie nichts von ihrer Knackigkeit verlieren.

Sehr zufrieden bin ich auch mit meinem Sushi, obwohl es mir immer schwerfällt, die Qualität, abgesehen von der des Fisches, wirklich zu beurteilen. Der Lachs und der gegrillte Aal im Sushi-Set waren besonders gut, auch mochte ich, dass sich in jeder Rolle etwas scharfe Wasabi versteckte. Gewünscht hätte ich mir ein paar ungewöhnlichere Kombinationen. Im Hakata gibt es die, die man kennt. Sonst habe ich nichts zu meckern, nicht einmal am Service. Doch auch Londons unfreundlichster Chinese gibt sich seit einiger Zeit viel Mühe mit seinen Gästen. Ich finde das gut.