Verpackung ist alles, das gilt auch für Restaurants. Ein stylischer Facebook-Auftritt, Likes,  Fans, Fotos, am besten von Gästen gepostet. Das sind die Zutaten, die  über den Erfolg eines Laden mitentscheiden. Speisen müssten heute „instagrammable“ sein, hat ein bekannter Sternekoch kürzlich geklagt. Übersetzt heißt das: Was nicht gut fotografiert werden kann, um dann auf Instagram und den anderen Social-Media-Kanälen verbreitet zu werden, kann man seinen Gästen nicht mehr auftischen.

Immer häufiger fotografieren Gäste ihr Essen, nicht, um es in  Erinnerung zu behalten, sondern um das Bild  zu posten. „Food Porn“ heißt das; bei Köchen ist es nur bedingt beliebt. Die gute alte Roulade etwa hat es heute schwer: Sie neben einem Haufen Kartoffelbrei mit Soße appetitlich abzulichten, ist nahezu unmöglich. Natürlich kann sie fantastisch schmecken, aber wen interessiert das, wenn sie nicht „instagrammable“ ist?

Bowls, Wraps, Suppen und Salate

Eine der Konsequenzen dieses Trends: Viele neue Restaurants, die heute insbesondere in städtischen Szenevierteln Mittagstische anbieten, konzentrieren sich  auf Bowls, Wraps, Suppen und Salate. Das klingt nicht nur modern, sondern sieht  auch auf Fotos leicht und schön bunt aus.

Einer dieser Trendläden, die mit fotogenen, gesunden, gern auch veganen und glutenfreien Schüssel-Gerichten punkten wollen, ist das Beets & Roots, ein modernes Fast-Food-Restaurant unweit des Hackeschen Marktes;  eine weitere Filiale nahe Unter den Linden ist geplant. Eröffnet  haben es  Maximilian Kochen und Andreas Tuffentsammer, einst Deutschlands jüngster Sternekoch.

Bei meinem Besuch ist im Beets & Roots die Hölle los. Es ist Mittag. Weil Personal und Gäste hauptsächlich Englisch sprechen, fühlt sich alles sehr weltstädtisch an. Auch was die bereits erwähnte Verpackung angeht, hat das Beets & Roots alles richtig gemacht: ein erdverbundener und daher  sehr zeitgeistiger Name, Sichtbeton und Speisen wie gemacht für den Social-Media-Auftritt. Perfekt.

Am Tresen bestelle ich aus dem Angebot an Schüssel-Gerichten, die es mit italienischer, asiatischer, mexikanischer und orientalischer Note gibt, einen California Salad mit Nachos, dazu einen Meatball Wrap. Statt einer Wartenummer bekomme ich den Namen Jennifer Aniston. Tom Hanks und Beyoncé werden gerade neben mir aufgerufen, ihre Gerichte sind fertig. Total ironisch, diese neuen Restaurants, kann man gar nicht genug von bekommen. Wirklich.

Im Beets & Roots gibt es Schüssel-Gerichte

Das Beets & Roots wird effizient geführt,  die Salate, Bowls und Wraps werden mit routinierten Handgriffen schnell und frisch zubereitet. Mein California Salad mit einer halbierten Avocado sieht knackig aus, das Lila der Bohnen und das Orange des Käses darin machen ihn schön farbenfroh. Auch der in zwei Hälften geschnittene Wrap ist hübsch in einer Schüssel  drapiert.

Fast vergisst man, wofür man gekommen ist. Also: Schmeckt das? Schon beim California Salad fühle ich mich in die frühen Neunziger zurück katapultiert. Bis auf den Namen und ein bisschen grünen Salatmix ist hier nichts federleicht. Er ist sehr großzügig mit geriebenem Cheddar, Kidneybohnen, Dosenmais und – als sei das noch nicht gehaltvoll genug –  mit zerbröselten Nachos und Avocado bedeckt. Geschmacklich erinnert mich das alles an die ersten mexikanischen Restaurants, in denen noch die Gipsy Kings gespielt wurden. Selbst das Joghurt-Koriander-Dressing schmeckt nach Sahne.

Food Porn im Beets & Roots

Auch mein Meatball Wrap ist altmodisch zubereitet. Unter vierfach gerolltem Weizenteig befindet sich eine wuchtige Füllung aus einem klassisch italienisch gewürzten Fleischklops, einer eingekochten Zwiebel-Tomaten-Soße und geschmolzenem Käse.

Das ist nicht schlecht, doch das haben wir alles schon mal so gehabt – nur  in einer anderen Verpackung.

Beets & Roots, Große Hamburger Str. 38, Mitte, Mo–Fr 11–21.30 Uhr, Sa–So 12.30– 21.30 Uhr