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Ihr gerade erschienenes Buch beginnt mit den Worten: „Machen Sie sich keine Illusionen: Ich bin kein Fan von Brandenburg. Ich wurde hier geboren. Ich lebe hier. Das ist alles.“

Was für ein Anfang – jedenfalls im Vergleich mit den sonst üblichen Reiseführern. Deren Autoren überbieten sich normalerweise von Satz zu Satz mit schwärmerischen Lobhudeleien auf das zu beschreibende Land, und sie prahlen mit ihrer Sachkenntnis, die sie meist nur bei längeren Urlaubsreisen erworben haben.

Kenntnisreich und locker

Nicht so bei den „Gebrauchsanweisungen“ des Piper-Verlages. Die werden von echten Kennern verfasst, die meist auch länger in den Landstrichen leben, die sie beschreiben. Die Bücher sind kenntnisreich, literarisch anspruchsvoll, aber vor allem auch locker und witzig geschrieben. Es sind keine vordergründigen Werbetexte, sondern hintergründige Reflexionen – auch über Abwegiges. Das gilt auch für Strubels Reiseerzählungen, die sie nun zur neuen Brandenburg-Expertin machen. Inzwischen wollte selbst die britische BBC ein Interview mit ihr über den Alten Fritz.

Die 38-Jährige ist in Ludwigsfelde aufgewachsen, flüchtete schnell nach Berlin und wurde Buchhändlerin, dann studierte sie Literaturwissenschaften in Potsdam und New York, schrieb mehrere hochgelobte Bücher und wurde mit ihrem bislang letzten Roman „Sturz der Tage in die Nacht“ auch für den Deutschen Buchpreis nominiert.

Nun sitzt sie in einem stilvollen Potsdamer Kaffeehaus und erzählt, dass das Brandenburg-Buch schwerer zu schreiben war, als die „Gebrauchsanweisung für Schweden“, die sie zuvor über ihr anderes Lieblingsland geschrieben hat. „Schweden kann ich aus sehnsüchtiger Distanz betrachten. In Brandenburg lebe ich. Und bei dem, was einem am nächsten ist, fällt einem häufig zuerst das Negative ein. So, wie man die, die man liebt, oft am schärfsten kritisiert.“

Aber sie wollte unbedingt den oft klischeehaften Blick vermeiden, mit dem auch viele Berliner auf Brandenburg schauen. Deshalb fuhr sie anderthalb Jahre lang an vielen Wochenenden los, erkundete das Land, fand viel Schönes und Ungewöhnliches und schrieb vier dicke Notizbücher voll.