Es kommt keine Ruhe in das Projekt der autofreien Friedrichstraße. Aber anstatt die Größe zu besitzen, den Versuch einer Verkehrsberuhigung endgültig als gescheitert einzugestehen und die Straße wieder komplett für den Autoverkehr zu öffnen, eröffnete die Grünen-Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch das nächste Trippelschrittchen in Richtung – ja, in welche eigentlich?

Jarasch will das 2020 gestartete Projekt fortführen, allerdings ohne breiten Radstreifen in der Straßenmitte. Radfahrer sollen demnach künftig die parallel zur Friedrichstraße verlaufende Charlottenstraße nutzen. Diese soll als Fahrradstraße ausgewiesen und für den Auto-Durchgangsverkehr gesperrt werden. Es folgte harsche Kritik der anderen Parteien, während ihre eigene Partei der Verkehrssenatorin erwartungsgemäß beisprang und lobhudelte, sie führe eine bürgerorientierte Politik fort, „statt den lauten Stimmen zu folgen, die die Autostadt konservieren wollten“.

Warum sollte man hier flanieren?

Aber was als Aufschwung für den Einzelhandel gedacht war, hat bislang nicht funktioniert und wird dies auch nicht tun, wenn man die Mitte der Straße für Räder sperrt, als ob sich Heerscharen von Flaneuren einem Kampf mit Fahrradkolonnen liefern müssten, um leer stehende Läden und maximal zwei Cafés zu erreichen.

Das Gegenteil ist der Fall: Es flaniert niemand und der Radverkehr ist übersichtlich. Und das wird sich sicherlich nicht ändern, denn warum sollte man hier flanieren? Und wohin? Vorbei an mittelpreisigen Klamottenläden zu einem Computerfachgeschäft? Uninteressanter kanns kaum werden als auf diesen paar gesperrten Metern. Und anstatt das Ganze abzublasen oder aber konsequent auf der ganzen Länge zu sperren, geht das halbherzige Rumgeeiere – vorbei an allen Tatsachen – weiter. Denn weder gab es bislang einen Aufschwung für den Einzelhandel, noch stiegen die Besucherzahlen.

Halbherziges Projekt

Es spricht gar nichts dagegen, auszuprobieren, den öffentlichen Raum angenehmer zu gestalten, aber dann auch richtig. Die Verkehrsberuhigung der Friedrichstraße ist gescheitert, und das liegt nicht zuletzt an der Halbherzigkeit des Projekts. Denn anstatt die komplette Meile zwischen Checkpoint Charlie und Unter den Linden für den Autoverkehr zu sperren, doktert man im Klein-Klein herum, begnügt sich mit ein paar Metern Versuchsstrecke und faselt was von Mobilitätswende – die alles ist, aber keine Wende. Das ist eine Einbahnstraße in die Mittelmäßigkeit, wo man es allen recht machen will, um am Ende unbequeme Entscheidungen zu vermeiden.