Berlin - Es gibt zu wenige Hebammen. Folglich müssen werdende Mütter oft lange suchen, bis sie eine finden. „Dabei stellen sich Schwangere schon früh viele Fragen – wie ernähre ich mich optimal während der Schwangerschaft, welche Sportübungen helfen mir bei Krämpfen?“, zählt Victoria Engelhardt auf. Sie ist Mitgründerin von Keleya, einem Berliner Start-up, das eine gleichnamige App entwickelt hat. Darin sind Tipps rund um die Schwangerschaft enthalten und seit wenigen Monaten auch ein Online-Geburtsvorbereitungskurs.

Frauen können in der App ihre aktuelle Schwangerschaftswoche eintragen, auch können sie individuelle Beschwerden angeben. Darauf zugeschnitten spielt die App personalisierte Inhalte aus – von Artikeln über Videos bis hin zu Podcasts. Der neu integrierte Geburtsvorbereitungskurs besteht ebenfalls aus mehreren Elementen. Der Kurs für die richtigen Atemtechniken während der Wehen ist per Video abrufbar.

Keleya ist entwickelt worden von Hebammen und Ärzten

Entwickelt worden sind die Inhalte unter anderem von Hebammen, Ärzten und Physiotherapeuten. Während Gründerin Engelhardt betriebswirtschaftliche Erfahrungen mitbringt, gab ihre Mitgründerin Sarah Müggenburg zuvor zehn Jahre Pre- und Postnatalyogakurse in einer Hebammenpraxis.

Einer Einschätzung des Deutschen Hebammenverbands nach kann ein solches App-basiertes Angebot eine Ergänzung sein – mehr aber nicht. „Auch für eine Gruppe von Frauen, die aus irgendwelchen Gründen keine Möglichkeit haben, einen regulären Geburtsvorbereitungskurs zu besuchen, mag es eine Alternative sein“, sagt Ursula Jahn-Zöhrens vom Deutschen Hebammenverband. „Aber nicht alles kann bei einem Videokurs vermittelt werden“, sagt sie. Eine Körperwahrnehmung sei sehr viel schwieriger zu vermitteln, auch eine psychosoziale Begleitung, die normalerweise stattfindet, fehle, warnt sie. 

App könnte ab 2020 von der Krankenkasse bezahlt werden

Die Macher von Keleya sind sich dessen bewusst: „Wir sagen deshalb auch ganz klar, dass wir uns nur als Zusatzangebot verstehen“, sagt Engelhardt. „Aber auch viele Schwangere, die eine Hebamme haben, informieren sich zusätzlich im Netz, da wollen wir einfach eine seriöse Anlaufstelle sein.“

Entwickelt worden ist die App zusammen mit der AOK Plus, deren Versicherte sich den Online-Kurs als Krankenkassenleistung anrechnen lassen können. Die Digitalisierung in der Gesundheitsbranche schreitet voran. Ab 2020 sollen Apps vermehrt von den Kassen bezahlt werden, wenn ein Arzt sie verschreibt. Dazu können auch unterstützende Apps bei Schwangerschaften zählen.

Derzeit können andere Nutzer, die nicht bei der AOK Plus versichert sind, einen kleinen Teil der App Keleya kostenfrei nutzen, das gesamte Angebot inklusive Geburtsvorbereitungskurs kostet rund 55 Euro. Für eine App vergleichsweise sehr teuer, Engelhardt argumentiert, dass ein üblicher Geburtsvorbereitungskurs hingegen schnell das Doppelte kosten würde. Derzeit zählt Keleya laut eigenen Angaben mehrere Tausend zahlende Kundinnen.