Wenn sich in Trauerreden immer wieder dieselben Zitate der Verstorbenen wiederholen, dann sind sie offensichtlich authentisch und haben in deren Leben wohl tatsächlich eine wichtige Rolle gespielt.

Beim Abschied von Heidi Hetzer am Donnerstag in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche erinnerten sich einige der Freunde und Kollegen, die ans Mikrofon traten, an Ausrufe wie diesen: „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Und an Heidi Hetzers aufmunterndes „Einfach machen!“, mit dem sie Bedenkenträgern auf ihre irgendwann keinen Widerspruch mehr duldende Art das Wort abschnitt.

Freunde und Kollegen verabschieden sich von Heidi Hetzer

Heidi Hetzer starb nicht, wie Freunde und Familie in sorgenvollen Stunden befürchteten, bei einem Rallye-Unfall; sie ging ganz leise, Ostern, 81-jährig in ihrer Charlottenburger Wohnung. Heike Herzog von der Firma Opel erinnerte zum Amüsement der Trauergäste an einen von vielen Reklame-Coups der Autohändlerin. Da stand auf der großen Werbetafel an der Knobelsdorffstraße: „Handtasche zu verkaufen für 9000 Euro. Mit Opel Corsa.“ Ronald Hess, einer von vielen ehemaligen Mitarbeitern in der Firma der Verstorbenen, sprach darüber, dass Heidi Hetzer von allen nur „unsere Mutter“ genannt wurde.

Jürgen Erbe vom Schnauferl-Club Berlin wird eine Oldtimerfahrt mit Heidi Hetzer nach Paris nie vergessen, bei der sie mit ihrem Wagen im tosenden Verkehr der französischen Hauptstadt und noch dazu im heftigsten Regen liegengeblieben war. Den galant von einem älteren Herrn angebotenen Regenschirm lehnte sie mit der Bemerkung ab, ein 14er Ringschlüssel wäre ihr lieber.

Heidi Hetzers letzte Worte von der Mailbox: „Ich bin glücklich. Ciao!“ 

Vor dem Altar standen während der Gedenkfeier bunte Handtaschen in Autoform, die zu Heidi Hetzers Markenzeichen geworden waren. Sängerin Ingrid Arthur schaffte es mit ihrer Version von Leonard Cohens „Halleluja“ nicht nur, die Zuhörer tief zu bewegen, sie brachte sie am Ende sogar zum Mitsingen. Und Jonas Sandmeier an der Orgel zauberte ihnen immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht, indem er Titel wie „Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen“, „Ein Freund, ein guter Freund“ und „Biene Maja“ erklingen ließ.

Emotionaler Höhepunkt der Gedenkfeier war Heidi Hetzer selbst. Ihr langjähriger Ehemann Robert S. Mackay, Vater der gemeinsamen Kinder Marla und Dylan, spielte von der Mailbox seines Mobiltelefons die letzten Worte vor, die er von Heidi gehört hatte: „Ich bin glücklich. Ciao!“ Sie meldete sich aus Südafrika, bevor sie kurz vor Ostern nach Hause kam. Voller Pläne. Ihr Hispano-Suiza-Cabriolet wollte sie für die Reise nach Los Angeles transportfertig machen, wo sie bei einer Oldtimerrallye Spaß haben sollte. Der Tod kam dazwischen.

Heidi Hetzer wünschte sich Abschied in Gedächtniskirche

Ihre Oldtimer-Weltreise und Touren durch Afrika hatten bis zuletzt Tausende Menschen in sozialen Netzwerken verfolgt. Am Donnerstag schreiben sich viele vor der Kirche in die langen Kondolenzlisten ein.

Da Heidi Hetzer sich nach dem Überschreiten der Schwelle zum neunten Lebensjahrzehnt nicht für unsterblich hielt, traf sie Vorkehrungen. Die Familie wusste also, dass sie sich einen Abschied in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche wünschte, die sie als – dort in der Nähe wohnendes – Kind noch in ihrem unzerstörten Zustand gesehen hatte.

Pfarrerin Kathrin Oxen fand das besonders passend, denn zur Automobilistin Heidi Hetzer hätte keine Kirche besser gepasst als diese vom Verkehr umtoste. Noch im hohen Alter habe die begeisterte Autofahrerin ihre Generation ermuntert, nicht auf dem Sofa sitzenzubleiben. „Arsch hoch“, zitiert die Pfarrerin auf der Kanzel. Da wird geschmunzelt und gelacht in der Kirche, die sich Hetzer für ihren Abschied gewünscht hatte.

Völkerverständigung auf andere Art

Nach der Gedenkfeier, bei der fast alle Sitzplätze gefüllt waren, verlassen die Gäste im Glockengeläut die Kirche. Viele bleiben draußen noch stehen und erzählen sich gegenseitig ihre Heidi-Hetzer-Geschichten. So erinnert sich Gerhard Kämpfe, der künstlerische Leiter von „Classic Open Air“ an eine Beratung vor vielen Jahren, bei der es darum ging, ob die Opel-Zentrale ihr Sponsoring verlängert: „Heidi hat den Verantwortlichen in ihrer typischen Art die Pistole auf die Brust gesetzt und gesagt: „Das verlängert ihr oder ich verkaufe ab nächster Woche Ford!“

Orchesterchef Andrej Hermlin, der durch seine Frau aus Kenia enge Beziehungen auf den afrikanischen Kontinent hat, rechnet der Verstorbenen eines besonders hoch an: „Sie war eine unglaublich tapfere Frau, die in ihrem hohen Alter durch Afrika fuhr und damit mehr für die Völkerverständigung tat als viele Politiker mit ihren Sonntagsreden.“