Berlin - Seit vergangenem Herbst ist der alte Turm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz durch ein Gerüst mit Plastikplatten verhüllt: Eine umfassende Sanierung der Ruine, die als Mahnmal für die Schrecken des Krieges gilt, steht bevor. Doch inzwischen ist klar, dass nicht nur die alte Kirche saniert werden muss, die 1943 bei einem Bombenangriff zur Ruine wurde, sondern auch der Neubau des evangelischen Gotteshauses. Das sagten am Freitag Experten bei einem Symposium der Egon Eiermann Gesellschaft.

Das Ensemble des Architekten Egon Eiermann (1904–1970) besteht aus dem achteckigen Kirchenschiff, dem neuen Turm, der Kapelle und dem Foyer. Eröffnet wurde es am 17. Dezember 1961. Seit 50 Jahren bilden Neubau und Ruine eine spannungsvolle Einheit und sind ein Besuchermagnet in Berlin.

Das zweitägige Expertenforum der Eiermann Gesellschaft gehört zu den Feierlichkeiten zum 50. Kirchenjubiläum. Diese enden am 18. Dezember um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, gestaltet von Bischof Markus Dröge und dem Bischof von Coventry (England).

Für die Ruinen-Sanierung stehen rund 4,2 Millionen Euro bereit, vor allem aus Spenden und Stiftungsmitteln. Wind und Witterung hatten dem alten Turm zugesetzt, so dass der Sandstein bröckelig wurde. Dazu kommt eine unsachgemäße Sanierung in den 1980er-Jahren. Laut Architekt Gerhard Schlotter vom Büro BASD Architekten, das die Arbeiten betreut, wird Schritt für Schritt vorgegangen.

Derzeit liefen Vorbereitungen, gearbeitet werde beispielsweise an der Entwicklung neuer, wartungsarmer Leuchten für die Turmuhr. „Noch vor Jahresende soll es aber so richtig losgehen“, sagt er. Der Abschluss der Arbeiten sei für Ende 2012 geplant.

Danach müsse es an die Sanierung des Neubaus gehen, sagt Schlotter. Erforderlich ist vor allem die Erneuerung des Plateaus, das den alten Turm mit dem neuen Ensemble verbindet. Mindestens eine Million Euro werde dafür gebraucht, sagt Schlotter. „Das sind aber nur erste Schätzungen.“ Bisher gibt es noch keine Finanzierung für das Vorhaben. Pfarrer Martin Germer hatte bereits vor einigen Wochen gegenüber der Berliner Zeitung die Hoffnung geäußert, dass sich das Land Berlin beteiligt – vielleicht, wie bereits beim alten Turm, durch Lottomittel. Dieses ist der Eigentümer des Areals, das die Kirche in Erbpacht hat.

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