Berlin - Insgesamt 35 Schüsse gaben die DDR-Grenzer am 17. August 1962 aus ihren Kalaschnikows ab, um gegen 14.30 Uhr die „Republikflucht“ des damals 18-jährigen Bauarbeiters Peter Fechter und seines Kollegen Helmut K. an der Zimmer-/Ecke Markgrafenstraße zu stoppen.

Dem Begleiter gelang der Sprung über die Mauer, Fechter trafen, obwohl er den Fluchtversuch schon aufgegeben hatte, mehrere Geschosse. Der junge Mann blieb blutend im Grenzstreifen liegen und flehte um Hilfe – vergeblich. Erst nach fast einer Stunde wurde er von den Grenzern abtransportiert. Im Krankenhaus wurde sein Tod festgestellt.

Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt schon eine Reihe von Toten an der Berliner Mauer, aber die Bilder vom langsamen, öffentlichen Sterben des jungen Mannes, dem die DDR-Seite kaltblütig selbst als wehrlosem Verletzten jede menschliche Regung verweigerte, lösten weltweit besondere Empörung aus.

Sie wuchs in West-Berlin noch, als SED-Chefagitator Karl-Eduard von Schnitzler verkündete, man solle halt „unserer Staatsgrenze fernbleiben, dann gibt es auch kein Geschrei und keine Tränen.“ Wut gab es in West-Berlin aber auch gegenüber den Alliierten. US-Soldaten am nahen Checkpoint Charlie weigerten sich, Ost-Berliner Gebiet zu betreten und damit womöglich eine Schießerei zu provozieren.

Sorgfältige Prüfung

Für die politisch Verfolgten der DDR ist der Tod Fechters ein selbsterklärender Beleg für die Unmenschlichkeit des SED-Regimes. „Peter Fechter ist für uns ein Symbol für alle Mauertoten“, sagt Rainer Wagner, Vorsitzender der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG). Sein Verband begrüßt daher, dass es zum 50. Todestag Fechters eine besonders von Zeitungen des Springer-Verlages getragene Diskussion gibt, die Zimmerstraße ganz oder teilweise in Peter-Fechter-Straße umzubenennen.

Dies haben bislang etliche Prominente und Politiker befürwortet, voran der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit. Auch die Schwester Peter Fechters, Gisela Geue, ist dafür , dass an ihren getöteten Bruder im Straßennamen erinnert wird, und zwar dort, wo die Tat passiert ist, in Mitte.

Die Überlegungen in der für eine Umbenennung zuständigen Bezirksverordnetenversammlung Mitte gehen derzeit eher in die Richtung, lieber eine Straße im Bezirk Pankow, wo Fechter lebte, auszuwählen. Bei einer Sitzung des zuständigen Kulturausschusses am Mittwochabend waren sich die Fraktionen in Mitte zwar einig, dass an Fechter würdig erinnert werden soll.

Es gebe aber „keinen Grund für überstürztes Handeln“, sagt Vera Morgenstern von der SPD-Fraktion. Man werde sorgfältig prüfen. Für die Straßenumbenennung gebe es Gesetze, Regeln und einen BVV-Beschluss, wonach auf absehbare Zeit Straßen nach Frauen benannt werden sollen. Grünen-Fraktionschefin Andrea Fischer verweist auf die an der Zimmerstraße vorhandene Stele für Fechter. Auch sei die seit 1734 so benannte Zimmerstraße, die den Zimmerleuten, die die Friedrichstadt bauten, gewidmet ist, wichtiges historisches Zeugnis für den Kern Berlins.

Jetzt stehen die Politiker vor der Entscheidung, ob mit einer Peter- Fechter-Straße ein historisches Zeugnis für die tödlichen Folgen der Teilung Berlins dauerhaft in Mitte verankert werden soll. Möglich ist es. Neukölln hat 2010 die Britzer Allee zu Ehren des letzten erschossenen Mauerflüchtlings in „Chris-Gueffroy-Allee“ umbenannt.